Jenseits der Pilgerpfade: Wenn Israelis ihre Türen öffnen

Sie sind so unterschiedlich: ein Kibbuznik, der Zeit seines Lebens mehr oder weniger sozialistisch gelebt hat; eine junge Kriminologin mit drusisch-arabischen Wurzeln auf den Golan-Höhen; eine kalifornische Jüdin, die seit fast zehn Jahren in Jerusalem ein modern-orthodoxes Leben führt; und die säkulare Designerin im Jemenitischen Viertel in Tel Aviv, direkt neben dem Karmel Markt. Sie verbindet eines – bei allen Unterschieden: Sie haben mir ihre Türen geöffnet und auch ein wenig ihre Herzen, haben mich teilhaben lassen an ihren Sorgen und Geschichten. Davon wollte ich etwas weiter erzählen.

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Mein vorerst letztes Israel-Stück lief am Sonntag im Sonntagsspaziergang, dem Kultur-Reisemagazin des Deutschlandfunks. Es lässt sich für immer nachlesen und rund ein halbes Jahr nachhören lang hier beim Deutschlandfunk.

Jetzt und auch wenn da mal nichts mehr geht, dann könnt Ihr auch hier hören:

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Ich möchte hier nicht die AirBnB-Debatte lostreten. Ich weiß, dass einige diese Plattform missbrauchen für Geldschneiderei. Besonders in Berlin. In den USA haben wir 100 % positive Erfahrungen gemacht. In Israel auch. Bis auf einen Ausrutscher. Gal, der uns in Haifa dieses Zimmer mit frommer Kitsch-Kunst aus allen Weltreligionen vermietete, entschuldigte sich minutenlang für seinen peinlichen Mit-Israeli, den er gar nicht kannte.

Ich bleibe dabei: Noch ist AirBnB ein guter Weg, um mit Menschen in Kontakt zu kommen. Auf jeden Fall in Israel. Auch für dieses jüngste Radio-Stück sind Begegnungen unter anderem auf diesem Weg entstanden. Alma und Lior zum Beispiel haben mir für gutes, günstiges Essen in Tel Aviv die Augen geöffnet und die Ohren für ganz junge Musik.

copyright: Andreas Main

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Die beiden sind allerdings nicht Teil meines Radiobeitrags. Sie waren Teil dieser Sendung: Das andere Tel Aviv. Und sie waren meine Gastgeber und könnten Eure sein.

Von Tair Avni in Tel Aviv sowie von Shefaa Abu Jabal habe ich leider keine vernünftigen Fotos. Aber von Tairs Garten-Apartments. Sie hat drei Räume zu vermieten. Bei ihr sieht es so aus:

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Das ist Eli Kedem, der in meiner jüngsten Reportage auch eine wichtige Rolle spielt:

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Bild 1Ebenso wie Shana Neril, die auch Gäste beherbergt:

Es bedeutet mir viel, sie kennen gelernt zu haben.

Beim Schreiben merke ich: Mir fällt zum Jahresende nicht mehr so viel ein. Und es ist spät. Und vieles war anstrengend im Herbst und Winter. Ich teile einfach mal noch diese Bilder und sage denen, die das lesen: Danke! Und denen, die ich in Israel treffen durfte: Toda!

Das ist übrigens der Mahane Yehuda Markt. Wer nach Jerusalem reist und nicht diesen Markt erlebt, ist selbst schuld:

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Kolumba, The Problem of God und Co

Okay, was ich schreibe, ist übertrieben. Aber es ist was dran. Wenn etwas in Köln dieses Jahrhundert überleben sollte, dann neben dem Kölner Dom das Museum „Kolumba“, im übrigen auch ein kirchliches Haus. Es soll ja Kölner geben, die das Beste, was es in ihrer Stadt gibt, noch nicht von innen gesehen. Denen sei ein Besuch wärmstens empfohlen – auch denen, die nach Köln reisen. Kolumba ist einer der besten Gründe, Köln zu besuchen. Die Öffnungszeiten von Kolumba gibt es hier.

Kolumba

Kolumba

Die Ausstellung „The Problem of God“ wird ebenso spannend. Aber erst im September 2015. Dann gehen wir alle nach Düsseldorf zur Kunstsammlung NRW ins Ständehaus.

Die Ausstellung mit Thomas Rentmeister in St. Gertrud ist leider schon zu Ende.

Thomas Rentmeister in St. Gertrud

Thomas Rentmeister in St. Gertrud

Diese drei Ausstellungen / Museen und ihre Protagonisten stehen im Mittelpunkt einer Sendung, die am 10.12.2014 im Deutschlandfunk zu hören war. Und zwar in „Aus Religion und Gesellschaft“. Sie hatte den Titel:

Spuren des Christlichen in der zeitgenössischen Kunst: Das spannungsreiche Verhältnis von Künstlern und Kirchen.

Hier nachzuhören. Zumindest ein halbes Jahr lang.

Oder auch hier:

Thomas Rentmeister in St. Gertrud

Thomas Rentmeister in St. Gertrud

Kolumba

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Leider sind die Fotos alles andere als brillant. In einem Kirchenraum oder in einem Museum mit November- / Dezemberlicht kommt an ein iPhone doch an seine Grenzen.

 

Kolumba

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Kolumba

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Pakistan: Ausgrenzung und Diskriminierung von Christen

Erzbischof Sebastian Shah ist ein zierlicher Mann. Er leitet das Bistum Lahore. Er ist Ordensmann. Ein sehr ernsthafter Mann, der gesellschaftliche Probleme auf den Punkt bringt. Auch wenn er weiß, an welchen Punkten er Pakistan nicht kritisieren kann, darf, sollte. Den Missbrauch der Blasphemie-Gesetze zum Beispiel – den greift er an. Aber nicht das Gesetz an sich.

Denn den Propheten Mohammed zu verunglimpfen, das kann in Pakistan zur Todesstrafe führen. Und zwar auf der Basis dieser Blasphemie-Gesetzen. Die werden oftmals missbraucht, um im Alltag jemandem zu schaden, der einem nicht passt – etwa im Zuge von Nachbarschaftsfehden, von politischen Querelen oder ökonomischen Streitigkeiten. Du hast den Koran beleidigt – mit diesem Vorwurf lassen sich missliebige Personen und religiöse Minderheiten zügig ausschalten. Auf diese Probleme von Christen weist das katholische Hilfswerk „Missio“ in seiner jüngsten Kampagne hin. Mit dabei: Sebastian Francis Shah, Erzbischof von Lahore, ernannt vor einem Jahr von Papst Franziskus. Shah ist Franziskaner und 56 Jahre alt. Er ist zu uns ins Studio gekommen – in den Deutschlandfunk. Wir haben länger geredet. Das ist die Essenz:

 

 

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Das andere Tel Aviv

Für alle, die die Nase voll haben von den immer gleichen News-Stories aus Israel. Für Euch habe ich diese Sendung gemacht. Oder wie mir im Vorfeld einer meiner israelischen Gesprächspartner, der sich mit Google Translate durch das bereits veröffentlichte Skript gelesen hat, ohne Deutsch zu können, – er also schrieb:

„At the end of day, we Israelis want to be understood as a country, not just a conflict. This may seem like just another gimmick to improve our image, and for some people it may be that. But I think its deeper — its a sort of human right that people from every country want and need. I imagine that Palestinians do too. I hope they do, because that means that their identity extends beyond their conflict with us, which would be good news.

So thanks again for showing a glimpse of Israel, the country.“

Dear …. , am I allowed to publish this?

Um ein Bild des anderen Tel Aviv zu zeichnen, habe ich mich vor allem mit Künstlern getroffen. Es ist ihr Blick auf ihre Stadt. Um den geht es mir. Nicht um die Erwartungen eines Publikums, das viele Nahostkorrespondenten meinen bedienen zu müssen.

Die Sendung läuft am 03.10.2014 von 15-16 Uhr im Deutschlandfunk in der Sendung „Corso. Kultur nach drei“. Hier geht es zur Sendung. Wer lieber liest und guckt, kann das hier tun. Ihr könnt natürlich auch das gute, alte UKW-Radio anmachen. Eine Stunde zurücklehnen und (hoffentlich) genießen.

Oder auch hier:

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Was ich an dieser Stelle noch zusätzlich liefern möchte: Resteverwertung. Ganz ernst ist das nicht gemeint. Aber wenn man 55 Minuten hat, dann hat man 55 Minuten. Ich musste kürzen, kürzen, kürzen. Das tut weh. Ich könnte Stunden lang über Tel Aviv reden. Deswegen gibt es hier vollkommen zusammenhanglos ein paar Schnipsel, die es nicht in die Sendung geschafft haben. Es ist also Bonus-Material, das sich vor allem erschließt, wenn Ihr meine Sendung gelesen oder gehört habt.

 

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Es soll übrigens in dieser Sendung auch nicht das Klischee der Partystadt Tel Aviv bedient werden. Obwohl auch ich an meinem Schuhwerk beobachtet habe: Jerusalem ist die Stadt der Sneakers oder des festen Schuhwerks, und Tel Aviv die Stadt der Flip-Flops. Tel Aviv ist die Stadt der linken Israelis, die Stadt der Popkultur, die Stadt der Säkularen. Junge Reisende zieht es – anders als Kulturtouristen und Religionsinteressierte – vor allem nach Tel Aviv. Das geht so weit, dass das junge Pärchen aus London lieber die ganze Zeit in Tel Aviv bleibt und nur Tagesausflüge macht zu den Heiligen Stätten von Juden, Christen und Muslimen im Land. Ist ja alles nur ein paar Kilometer entfernt in diesem Staat, der gerade mal so groß ist wie das Bundesland Hessen.

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Besonders an Feiertagen und am Shabbat ist der Strand nein, nicht überfüllt – es ist einfach der Ort, wo sie alle sind: die säkularen Israelis. Und sie spielen Matkot, jenes Strandtennis, das  womöglich hier erfunden wurde: in Israel, am Strand von Tel Aviv.

Yali Sobol, Romanautor und Musiker sagt dazu:

„We like to take credit for so many things we didn’t invent like Falafel and so and so. Who knows? The rumor has it that this game was invented here.“ – „Wir schreiben uns so viel auf die Fahnen, was wir überhaupt nicht erfunden haben – Falafel, und so weiter. Wer weiß? Auf jeden Fall geht das Gerücht, dieses Spiel sei hier erfunden worden.“

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Yali Sobol ist der Sohn von Jehoschua Sobol, einem der bekanntesten israelischen Dramatiker. Der Vater hat sich in viele politische Debatten eingemischt. Sein Sohn ist weniger auf Krawall gebürstet. Und doch beobachtet er kritisch bestimmte Entwicklungen:

„I see deep long processes in the society that make me fearful, that this might happen, it is not compulsory, it is not the only way to go, it is probably not even the most probable way, but it is definitely the most scary way. And that’s why I wrote it.“ – „Es gibt Entwicklungen in unserer Gesellschaft, die mir Angst machen. Es muss nicht zwangläufig so kommen. Es ist noch nicht mal wahrscheinlich. Aber davor habe ich am meisten Angst; und deshalb musste ich dieses Buch schreiben.“

Er meint eine Tendenz, Freiheiten einzuschränken, und er redet von „Die Hände des Pianisten“, seinem dritten Roman.

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Im Flur meiner Hosts: Alma Elliott-Hofmann und Lior Abel. Seine Band heißt Drunk Machine. Unbedingt mal reinhören. Er macht Musik nebenbei. Lachend sagt er, dass er womöglich derjenige Musiker weltweit ist, der am frühesten aufsteht. Er arbeitet in einer Kanzlei für Patentrecht, um den Lebensunterhalt zu verdienen. Alma ist Online-Kulturjournalisten. Die beiden sind die besten AirBnB-Gastgeber der Welt.

Alma Elliott-Hofmann:

„My hopes in the next ten years is to deal with music in the best way I can, live from it, and it does not matter if it is writing or managing bands, because I am not a musician and I don’t have the talent. So I do anything around it, so I can be close to music.“ – „Meine Hoffnung für die nächsten zehn Jahre: Ich möchte von Musik leben können – auf meine Art: egal ob ich drüber schreibe oder Bands manage. Denn ich bin keine Musikerin, ich habe kein Talent. Also, will ich irgendwas drum herum machen, aber so, dass ich der Musik möglichst nahe bin.“

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Shlomit Gross kenne ich schon seit 2008. Sie hat das Bauhaus Center gegründet. Und sie macht Bauhaus-Führungen. Was ich noch nicht wusste, erzählt sie mir, während wir zum nächsten Bauhaushaus gehen.

Ihr Vater hatte einen irakischen Pass, bevor er nach Israel eingewandert ist: religiös-ethnisch ein jüdischer Kurde oder ein kurdischer Jude. Ich sage nur: eine bunte Stadt, ein buntes Land.

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 Die Musikszene in Israel: Früher passten die meisten Bands am besten in die Schublade „Weltmusik“. Dann kamen Louise Kahn und Terry Poison – die Verkörperung des Hedonismus.

„We came in a time where there wasn’t so much pop culture here. It was a long culture of like Rock’n’Roll Bands – This whole culture that comes with dressing up on stage and developing an artistic language and image – it was not so much happening here at that time. And also for me, I was not connected at all to music scene here, because they wrote music in hebrew in order to get your music on the national radio stations, you needed to have your music in Hebrew. For me this was completely absurd. My mission actually was to open the doors, to be in Tel Aviv, but to put Tel Aviv on the musical map in the world, what we actually did. And after that it was much more easy for Israeli artists to actually to start working abroad. And I see so many Israeli artists doing so well now – from Tel Aviv. And it is amazing. It is really wow.“

„Als wir anfingen, gab es hier zwar viele Rockbands, aber kaum Popkultur. Also, in dem Sinne, dass eine Band eine eigene künstlerische Sprache entwickelt, ein Image – etwa mit spezieller Kleidung oder einer entsprechenden Bühnen-Show. Da passierte hier nicht allzu viel. Ich war auch nicht allzu vernetzt in der Musikszene hier. Alle sangen Hebräisch, um im Radio gespielt zu werden. Für mich komplett absurd. Ich wollte die Tore aufreißen, damit Tel Aviv auch auf der internationalen Musiklandkarte stattfindet. Das ist uns gelungen. Es ist heute viel einfacher für israelische Künstler, im Ausland zu arbeiten. Das ist großartig.“

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Anders als viele Künstler hat sich Louise Kahn auch während des jüngsten Krieges nicht zurückgehalten: Auf die Gefahr hin, Fans zu verärgern, hat sie Artikel zum Konflikt gepostet. Der hat Zeit und Energie absorbiert, sie aber nicht davon abgehalten, einmal am Tag jenen Ort aufzusuchen, der ihr in Tel Aviv am wichtigsten ist: den Rothschild Boulevard. Einmal den Boulevard rauf, einmal runter. Louise wohnt nicht weit entfernt vom Rothschild Boulevard. Sie nennt ihn – wie viele Tel Avivim  „Silicon Boulevard“. Hier trifft sie die Leute, die sie treffen will. Rund um den Boulevard haben sich viele Start-Ups angesiedelt.

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Nicht weit entfernt vom Rothschild Boulevard – mitten in der Stadt – ist ein Kleinod zu finden, das selbst Tel-Aviv-Kenner oft nicht kennen: der Trumpeldor Cemetery. Er ist älter als Tel Aviv.  Der Trumpeldor-Friedhof lag vor den Toren der alten Stadt Jaffa, einer arabischen Stadt, in der auch Juden lebten. Ihr jüdischer Friedhof lag also außerhalb von Jaffa. Als sie dann eine eigene jüdische Stadt gründeten, lag der Trumpeldor Friedhof plötzlich mitten in der Stadt. Wegen der Unantastbarkeit der Totenruhe auf jüdischen Friedhöfen werden die Gräber heute umrahmt von Wohnhäusern.

 

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Guy Pitchon ist Skater, er ist Künstler, er macht Tattoos. Ich dachte immer, das sei bestimmt ein Künstlername. Dann erzählt er mir im Artport, er habe griechische Wurzeln. Seine Großeltern sind in den 1930er Jahren aus Griechenland geflohen. Rechtzeitig. Er bemüht sich gerade um einen zweiten Pass, den griechischen, also einen EU-Pass. Man weiß ja nie. Der Konflikt. Bequemer reisen. Doch auch wenn er ihn hat, Tel Aviv ist der Ort, an dem er sich zu Hause fühlt. Hier will er bleiben.

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Über den Artport, eine ‚Künstlerresidenz‘ im Süden Tel Avivs sagt er:

„It’s kind of like a kibbutz here, because it is – even though it is in the middle of the city, it’s very low, there is no tall structures, and it is quiet and peaceful and everybody is friendly and a lot of artists. People borrowing stuff from one another. So, it feels like a kibbutz, kind of.“ – „Das ist wie ein Kibbutz hier. Obwohl mitten in der Stadt, gibt es kaum große Gebäude: es ist ruhig, friedlich; alle sind freundlich. Man leiht sich wechselseitig, was man braucht. Es fühlt sich an wie im Kibbutz.“

 

Auch das Corso-Gespräch mit der Filmemacherin Hilla Medalia musste ich massiv kürzen. Von ihr empfehle ich Dokumentarfilm „Dancing in Jaffa“. Es geht um jüdische und arabische Kinder in Tel Aviv beziehungsweise in Jaffa, die gemeinsam tanzen lernen – jenseits aller Feindschaft. Und in „Numbered“, von ihr produziert, da geht es um junge Israelis, die sich Tattoos machen lassen mit genau jener Zahl, die ihren Großeltern eintätowiert wurde von den Nazis. Beides sehr bewegende Filme.

 Andreas Main:

Sie müssen also das Publikum im Ausland erreichen. Das ist die wichtigste Überlebensstrategie?

Hilla Medalia: 

Absolutely, the main strategy to survive for Israeli filmmakers is to actually broaden outside of our home turf – and I can tell you that all my films – not only my film is funded from also international money, again, it is interesting. When an Israeli film is doing extremely well outside of Israel, then it goes back to Israel. For example, we started „Dancing in Jaffa“ in Israel. It did not go so well. I mean, it was okay for documentary in Israel; but now since it is doing well outside of Israel now suddenly there are more requests. And it might have another theatrical round here. Same story with „The Gatekeepers“. The Gatekeepers started in Jerusalem Film Festival. Nobody wanted to see it, nobody spoke about it. It did not win an award. Nothing. Once it started to be a big hit outside of Israel, it became very successful here. I find that this is also happening.

 Absolut. All meine Filme haben Filmförderung ausschließlich aus dem Ausland bekommen. Wenn ein israelischer Film dann allerdings im Ausland gut läuft, dann bekommt er hier auch eine weitere Chance. „Dancing in Jaffa“ kam zuerst in Israel in die Kinos. Es lief nicht gut, auch nicht richtig schlecht. Aber seit dem Erfolg im Ausland gibt es auch hier mehr Anfragen. Genauso erging es „The Gatekeepers“. Premiere war beim Jerusalemer Filmfestival. Niemand wollte ihn sehen, niemand sprach drüber, er bekam nicht einen Preis. Als „The Gatekeepers“ international ein Riesenerfolg wurde, stellte sich auch hier der Erfolg ein.

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 Andreas Main:

But with all due respect, Israel is more than the conflict. And sometimes for me, I watched about ten or twelve movies in the past few months. And sometimes I think, it is all about the conflict. Is this because of the funding? – Aber Israel ist mehr als der Konflikt. in den vergangenen Monaten habe ich rund ein Dutzend israelischer Filme gesehen. Manchmal dachte ich, schon wieder der israelisch-palästinensische Konflikt. Liegt das an der internationalen Filmförderung – oder woran liegt das?

Hilla Medalia:

The Israeli society is a little tired from films about the conflict. They are actually more interested in films about other films than the conflict. But I would say, if I gonna make a film about even about a social issue within Israel, about how expensive our apartments in Tel Aviv, that’s not of an interest to anyone outside of Israel, so at the end of the day most of the film that are being very successful outside of Israel are relaying to the conflict. But absolutely there are more – and also there are some films that are not about the conflict, that makes it outside. I mean, if I am speaking about my own work, just like Web Junkies, it is about internet addiction in China, nothing to do about the conflict, or most recently in Cannes, The Go-Go-Boys, that is about Menahem Golan and Yoram Globus, nothing to do with the conflict, very funny fun-film.

Nein, im Gegenteil. Auch das israelische Publikum ist diese Filme leid. Es will Filme sehen, bei denen es nicht um den Konflikt geht. Aber wenn ich einen Dokumentarfilm machen würde – sagen wir mal über die hohen Mietpreise in Tel Aviv – dann würde sich außerhalb von Israel niemand dafür interessieren. Die meisten Filme, die internationalen Erfolg haben, drehen sich um den Konflikt. Aber es gibt andere. Um mal nur von mir zu sprechen: Ich habe Web Junkies gemacht, da geht es um Internetsucht in China – das hat wenig zu tun mit dem israelisch-arabischen Konflikt. Und das gilt auch für die „Go-Go Boys“ – einfach nur ein lustiger Film.

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Andreas Main:

There are approximately a dozen movie theaters in Tel Aviv with about forty screens, I guess. When we talk, the local cinema programs dominated by american movies all around the world, there are a few underground indie places in Tel Aviv. Two like a place called „Zimmer“ – where they screen movies on the wall or something like that – Nevertheless, Israel is quite a small market for Israeli film makers, isn’t it? – Es gibt rund zwölf Kinos in Tel Aviv mit etwa vierzig Kinoleinwänden – auch einige Indie-Kinos. Dennoch, Israel ist ein ausgesprochen kleiner Markt für Filmemacher?

Hilla Medalia:

Israel is a very small market for Israeli filmmakers. Often I feel that my work as well as others is not being seen much or appreciated much here unfortunately as it is outside of Israel. I can tell you for example my film „Dancing in Jaffa“, that screened all over Germany, US, France, had very very few theatrical screening in the cinematheque, which is more the art house cinema for a very short period of time. Not a lot of people heard about it. Certainly not as much as they did in France or in the US.

 Ja, manchmal habe ich den Eindruck, dass meine Arbeit hierzulande weniger gesehen und geschätzt wird als ausserhalb Israels. Das geht anderen auch so. Mein Film „Dancing in Jaffa“ ist in Deutschland, Frankreich und den Vereinigten Staaten gelaufen, hier war er nur ganz kurz in einem Arthouse-Kino.

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 Oren Zuckerman, der gerade den Zeigefinger hebt, hat am MIT in Boston studiert. In Herzliya hat er das miLab im IDC gegründet.

„The main goal is to empower young people to believe in themselves and in their creative power that is inside – and to show them that through interdisciplinary work with other people, they can achieve amazing innovation that they did not know that they are able to.“ – „Die jungen Leute sollen an sich selbst glauben und an die kreative Kraft in ihnen. Und sie sollen erkennen: Wenn sie interdisziplinär mit anderen zusammenarbeiten, dann bringen sie Innovationen hervor, von denen sie bisher nichts ahnten.“

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Vielfalt in Israel #4: Rabbiner David Rosen will den Pluralismus

Er ist ein hochrangiger Rabbiner – und hat den Schalk im Nacken:

„Intra-faith relations – intra! – is much more difficult than interfaith relations. People say to me, why are you spending so much time with the other religions? I say it is so much easier.“

Ich habe David Rosen in seinem Büro in Jerusalem getroffen. Er hat mich mehrfach überrascht – auch, als er über die Fleischindustrie herzog. David Rosen ist ein Mann, der keine Scheu hat, unbequem zu sein. In meinem neuesten Stück, das seine Arbeit porträtiert, geht es um dies:

„Der orthodoxe Rabbiner David Rosen kämpft für die Pluralität der Meinungen und Vielfalt der Religionen und Kulturen. Für sein christlich-jüdisches Engagement ist er vielfach geehrt worden. Dennoch fällt ihm der Dialog mit bestimmten jüdischen Strömungen schwer.“

Der Beitrag lief am 18.09.2014 im Deutschlandfunk in der Sendung “Tag für Tag. Aus Religion und Gesellschaft – und zwar als Teil 4 einer Serie über die religiöse Vielfalt in Israel. Er lässt sich hier für immer nachlesen und für ein halbes Jahr nachhören..

Oder wenn er nach einem halben Jahr beim DLF nicht mehr zu hören ist, dann auch hier:

 

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Als Bonus-Material noch ein paar Originalzitate, die so auf der DLF-Seite nicht zu finden sind:

„God creates this diversity for our benefit. And for me as I am a pluralist – I believe the idea that any one religious tradition can encapsulate the totality of the Divine is a ridiculous idea.“

„Most Israelis have never heard of Nostra Aetate. They don’t know the different documents. When you see a Pope at the western wall, at the Kotel, showing respect for jewish tradition, at Yad Vashem, showing solidarity with jewish pain and suffering, these things have a big impact.“

„Now, this generally speaking is very good news, because it means that Jews in Israel start to understand that Christians are not the simple stereotype of the history and generally the negative history that they remember. You need to take into account the fact that most Israelis have never met a modern Christian. When Israeli Jews travel abroad they meet Non-Jews as Non-Jews, not as modern Christians. And therefore most Israeli’s image of Christianity is taken form the tragic negative past in Europe. “

„This is a fascinating phenomenon because it’s probably the first time since the birth of Christianity where you have a community that sees itself as believers in Jesus as the Messiah, who at the same time see themselves as part of the body politic of Israel, of the Jewish people.“

„This christian diversity means that people encounter Christians now often without realizing it – and then discover it. For example, you have an old father, an old mother, you need a caregiver, disproportionately these are here from the Philippines. These are devout practicing Christians. They want to go to church, they practice, they do not do so in any aggressive manner, they are not imposing anything on you. You learn to discover, what wonderful, selfless devoted people they are. And then you understand: This devotion and dedication is coming from their faith. So you begin to look Christianity in a very different light. (…) – so there is a whole new movement in terms of the relationship between Christianity and Judaism taking place here within Israel, that is very different from anywhere else.

„This christian diversity means that people encounter Christians now often without realizing it – and then discover it. For example, you have an old father, an old mother, you need a caregiver, disproportionately these are here from the Philippines. These are devout practicing Christians. They want to go to church, they practice, they do not do so in any aggressive manner, they are not imposing anything on you. You learn to discover, what wonderful, selfless devoted people they are. And then you understand: This devotion and dedication is coming from their faith. So you begin to look Christianity in a very different light. So there is a whole new movement in terms of the relationship between Christianity and Judaism taking place here within Israel, that is very different from anywhere else.“

„A Judaism that is purely insular and inward looking is not authentic to its spirit, purpose and its mission. However, in terms of our history as you know we have genuinely experienced hostility – and sometimes violent hostility, and sometimes the most violent, and there it has been very difficult for us to be able to develop a universal approach, a universal vision, when the universe around has been hostile to us. And these wounds do not heal over night. So it takes time. And we have come – and the establishment of the State of Israel is critical event in terms of the development of our own self-confidence and own security to enable us to live up to that particular vision – but we have come into a context which itself is in conflict and where we feel threatened and where there is continuous threatening which of course exacerbates the trauma of our historical experience and makes it very difficult for many people still to open up to the world as we should. And especially those who are the most devout, are often the most insular. This is understandable. But it is lamentable.“

„In other words, I’m orthodox, but I choose – and I think I should – live as part of the modern world. If I understand what essentially my scripture, the hebrew bible and the prophets of Israel, are calling on me to be loyal to the revelation that is particular, which is the jewish way of life. We have to develop a rich jewish identity that is properly rooted in our particularity like a healthy tree, but with its branch is open to the world in a true universal engagement.“

„They don’t want to mix. The nature of their identity as Ulrtaorthodox is based on having nothing to do with the rest of jewish society. Let alone the rest of the world. That is their ideology. They believe that God preserves the rest of the world because they keep themselves separate. So therefore asking them not to be separate that is asking them not be ultra-orthodox.“

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Vielfalt in Israel #3: ‚Kulturelle Juden‘ und ihre ’säkularen Yeshivas‘

Sie sind mir immer wieder begegnet in Israel: junge und mittelalte Zeitgenossen, die sich als nicht-religiös bezeichnen und zugleich für jüdische Werte und Traditionen einstehen. Dieser Strömung fühlen sich Zehntausende in Israel verbunden. Es ist schwer, einen Begriff für sie zu finden. Sie nennen sich „cultural jews“, ‚kulturelle Juden‘. Und ihre Zentren sind säkulare Yeshivas. Das hört sich nach einem Widerspruch in sich an. Denn wie soll eine Yeshiva, eine Talmudschule säkular, also nicht-religiös sein? Dieser Widerspruch ist nur dann aufzulösen, wenn man das Judentum nicht nur als Religion versteht. Das geschieht auch in immer mehr Beit Midrashs, also Lehrhäusern, die für alle offen sind: für Religiöse und Nicht-Religiöse, Frauen und Männer, Junge und Alte. Etwas, was man nicht für alle jüdischen Zweige sagen kann. Ich habe versucht, dieses schwer zu fassende Phänomen ein wenig in den Griff zu bekommen. Unter anderem mit Ofer Zalzberg. Er ist eigentlich Politikberater bei Crisis Group, einer internationalen Nichtregierungs-Organisation. In seiner Freizeit engagiert er sich dafür, dass zum Beispiel säkulare Juden und nicht nur Rabbiner eine jüdische Trauung vornehmen dürfen. Oder auch eine Bestattung – dies allerdings nicht im orthodoxen Stil.

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Der Beitrag lief am 17.09.2014 im Deutschlandfunk in der Sendung „Tag für Tag. Aus Religion und Gesellschaft – und zwar als Teil 3 einer Serie über die religiöse Vielfalt in Israel. Er lässt sich hier für immer nachlesen und für ein halbes Jahr nachhören.

Danach hörbar auch hier:

 

Copyright: Andreas Main

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Vielfalt in Israel #2: Links, zionistisch, orthodox und skeptisch.

Gershom Gorenberg trägt eine Kippah und einen Bart. Er ist offensichtlich orthodoxer Jude. Und er steht politisch links. Ziemlich weit links. Wer gerne in Schwarz-Weiß-Schubladen denkt, wird mit Gershom Gorenberg nichts anfangen können. Allen anderen empfehle ich hier den Beitrag nachzulesen oder nachzuhören, der als Teil 2 einer Serie im Deutschlandfunk gesendet wurde – und zwar bei „Tag für Tag. Aus Religion und Gesellschaft“.

Das Thema:

„Die Synagoge prostituiert sich“: Warum orthodoxe Juden Religion und Staat in Israel stärker trennen wollen. Ein Gespräch mit Gershom Gorenberg

Gershom Gorenberg ist Historiker und Journalist, Autor mehrerer Bücher. Er stammt aus den Vereinigten Staaten, lehrt auch regelmäßig an US-Universitäten, lebt aber seit fast 40 Jahren in Israel. Gershom Gorenberg versteht sich als orthodox und als Zionist, kommt aber auf der Basis der jüdischen Tradition zu ganz anderen politi­schen Positionen als etwa die Regierungen seines Landes oder als natio­nal-religiöse Siedler. Ich habe Gershom Gorenberg in einem Cafe in Jerusalem getroffen, jenen Mann, der sich selbst als „jüdisch-orthodox und skeptisch, zionistisch und links“ beschreibt und des­sen jüngstes Buch „The Unmaking of Israel“ heißt – mit dem deutschen Titel „Israel schafft sich ab“:

 

Die Bücher von Gorenberg beschäftigen mich nun seit rund zwei Jahren. Der Titel des jüngsten Werks mag düster klingen. Aber das, was Michael Chabon über dieses Buch geschrieben hat, kann ich teilweise unterschreiben:

„Until I read this book, I didn’t think it could be possible to feel ore despairing, and then more terribly hopeful, about Israel.“

 

Gershom Gorenberg

 

„The Unmaking of Israel“ würde ich unbedingt der deutschen Fassung vorziehen: „Israel schafft sich ab.“ Auf einer der letzten Seiten war der Übersetzer offenbar so ermattet, dass er Gorenberg von einer „Trennung von Staat und Kirche“ reden lässt, wiewohl dieser von „religion and state“ schreibt. Ich weiß, dass Übersetzer von Sachbüchern wenig verdienen, aber dass Juden neuerdings Kirchenmitglieder sind, war bisher an mir vorbeigegangen.

Richtig stark ist auch:  „The Accidental Empire: Israel and the Birth of the Settlements, 1967-1977“. Dies ist aber deutlich komplexer und nicht auf Deutsch erschienen. Ich stecke mitten drin. Ich würde also erst die Lektüre von „Unmaking of Israel“ empfehlen, danach „The Accidental Empire“. 

Jerusalem - Kopfbedeckung für jüdisch-orthodoxe Frauen / Copyright: Andreas Main

Jerusalem – Kopfbedeckung für jüdisch-orthodoxe Frauen / Copyright: Andreas Main

Als Bonus-Material hier noch ein paar Originalzitate, wiewohl ich in amerikanischer Zeichensetzung nicht allzu firm bin:

„What would destroy a jewish state? It’s – in simple terms – continuing the occupation to the point where there is inevitable no other choice except for annexation and full citizenship for everybody who lives between the river and the sea, at which point the Jews become a minority, at which point there is no longer self-determination for the Jews as a people.“

„Everything I am saying here I’m saying as a religious Jew, as an orthodox Jew, as somebody who believes that is very important to keep, continue, develop the jewish religion. The reason that these issues concern me is not only because of the political impact, but because I’m deeply concerned about the impact on religion which is the most basic thing in my life.“

„Look, first of all, I’m left of center politically. I use the term orthodox as short hand, because that’s the term that people use. I think, that it is actually a borrowed term from other cultures, and it does not fit the jewish context, because orthodox means right-thinking. And in certain other religious context, the right belief is the core argument of the religion – and in Judaism people can have many different theological interpretations. And what holds the religious community together is shared practice. So, it is more correct for me to say, I am a halachic Jew, which is to say, I am somebody who strives to live my life according to Halacha, according to the jewish tradition of how one should live one’s day-to-day-life.“

„I think, inevitably, state sponsored religion corrupts religion. What it does: It puts a state bureaucracy in charge of making religious choices. And this both subjects the religion to political power plays, patronage and all the other aspects of statehood. And it separates religion from the public. In a situation where there is a separation of state and religion, the religious bodies cannot count on the state for support. They have to actually be relevant to the people. When the state underwrites religion, two things happen: One is, religious authorities appointed by the state, are not actually responsible to the public directly, they don’t have to make religion relevant or answer the needs of the public; and second of all, it allows the state for political reasons, which maybe divorced entirely from religion, to choose who the proper clerics are and the proper way of carrying out religion is. So, as much as established religion is a bad idea for civil rights and for the state, it is also a bad idea for religion.“

„The state is also choosing which orthodox rabbis will represent orthodoxy. And it is giving those rabbis the opportunity to interpret Judaism which has multiple interpretations without being responsible to the general public. And so they are much more likely to look over their shoulder and see what other people in the most conservative parts of the clergy think of their decisions than to think how this effects the life of people in the country. Because they are not actually directly responsible. They are responsible to a hierarchy, that is interlocked with the state. And who gets these positions often comes out of coalition agreements and party politics. So the result is that what appears to be orthodox Judaism as represented through the state’s structure is a narrow, and I would say very distorted form of orthodoxy as well. And this is incredibly damaging for the flourishing of religion.“

„The medium is the message. The sacred text is an argument about meanings, not a single meaning. Therefore the person who is involved in the act of study is also inevitably, I would say, religiously obligated to be making choices between interpretations. It would be false consciousness within the structure of Judaism to claim, that I am doing this because the text imposes it on me and there is no other interpretation of the text. Because there is always another interpretation of the text. And multiple interpretations are part of the same tradition. And that is also why having a power structure of a state choose one interpretation is essentially unjewish.“

 

Western Wall / Copyright: Andreas Main

Western Wall / Copyright: Andreas Main

Hier noch der Überblick über die gesamte Serie:

15.9.2014 Die Hebräisch sprechenden Katholiken in Israel: Porträt einer Gemeinde, die einzigartig ist in der Kirchengeschichte.

16.9.2014 „Die Synagoge prostituiert sich“: Warum orthodoxe Juden Religion und Staat in Israel stärker trennen wollen. Ein Gespräch mit Gershom Gorenberg

17.9.2014 Weltliche Talmud-Schulen: In Israel wächst eine Bewegung, die auch Nicht-Religiösen jüdische Werte und Traditionen vermitteln will.

18.9.2014 „Gott will diese Vielfalt“: Der israelische Rabbiner David Rosen und sein interreligiöses Engagement.

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Vielfalt in Israel #1: der jüdische Jesuit David Neuhaus

Vikar für die Hebräisch sprechenden Katholiken Pater David Neuhaus, SJ

Pater David Neuhaus, SJ / Vikar für die Hebräisch sprechenden Katholiken / copyright: Lateinisches Patriarchat von Jerusalem

„Ich bin Jude. Ich habe eine jüdische Mutter und einen jüdischen Vater. Meine ganze Familie ist jüdisch. Das verbindet mich in einer anderen Weise mit dem jüdischen Volk als zum Beispiel jemanden, der nicht jüdisch ist, aber in einer gemischt katholisch-jüdischen Ehe lebt. Aber wir sind alle gleich; dies ist keine katholische Gemeinde nur für Juden – und alle anderen sind zweiter Klasse. Jüdisch oder nicht – wir gehören zu einer Kirche.“

Zitat David Neuhaus. Der Mann versteht sich als jüdisch und ist katholischer Priester.

Ihn und seine Arbeit habe ich porträtiert im Deutschlandfunk. Und zwar in der Sendung „Tag für Tag. Aus Religion und Gesellschaft“. Das Porträt ist Teil dieser vierteiligen Serie:

Die Vielfalt religiösen Lebens in Israel

Der Staat Israel ist ein jüdischer Staat. Wesentliche religiöse Institutionen sind Staatsorgane. Wichtige Lebensbereiche werden von ihnen verwaltet. Eine Staatskirche oder eine „offizielle“ Religion gibt es in Israel allerdings nicht. Rund 75 Prozent der fast acht Millionen Einwohner Israels sind Juden, 17 Prozent Muslime und nur 2 Prozent Christen.

In einer Serie stellt „Tag für Tag“ religiöse Gruppierungen vor, die weniger bekannt sind, die nicht durch extreme Positionen auf sich aufmerksam machen, aber gerade deshalb die große Vielfalt religiösen Lebens in Israel widerspiegeln.

 

copyright: Andreas Main

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Die vier Teile der Serie:

15.9.2014 Die Hebräisch sprechenden Katholiken in Israel: Porträt einer Gemeinde, die einzigartig ist in der Kirchengeschichte.

Wer in Israel unterwegs ist und nach Antworten sucht, wird oft verwirrt. Meist kehrt man mit noch mehr Fragen zurück. Auch was die Vielfalt religiösen Lebens betrifft. Da gibt es zum Beispiel eine christliche Gemeinde, die römisch-katholisch ist und hebräisch spricht – sowohl im Gottesdienst als auch im Gemeindeleben. Ich habe in Jerusalem an einigen dieser Gottesdienste teilgenommen und mit jenem Ordensmann gesprochen, der für alle Hebräisch sprechenden Katholiken der Region zuständig ist.

Hier lässt sich der Beitrag immer nachlesen und ein halbes Jahr lang nachhören.

Wer ihn später hören will, kann das hier tun.

 

Und noch zwei Original-Zitate von David Neuhaus, die es in sich haben:

„The real ecumenical divide in our country is not the confessional one. Orthodox, catholic, protestant and eastern Christians who are palestinian arab feel as if they are one. They do not care who is orthodox, who is catholic, who is protestant – they feel one church. The real divide is along the political lines. In other words: Are you palestinian arab? Or are you pro-Israel? This is the real divide that cuts through all the churches – the orthodox church is divided by that divide, the catholic church is divided by that divide, the protestants are divided by that divide.“

 

„I think that we are aware of who is who. We have some who are jewish and among those some who are jewish is myself. I am a Jew. I have a mother who is jewish, I have a father who is jewish, I have a brother who is jewish. My entire family is jewish. That implicates me in the world of the jewish people in a very different way than somebody who is not jewish, but is intermarried with Jews. And we have many people who have married Jews. Or somebody who has chosen from their own free will to live here associated with Jews. Or somebody who did not choose, but was simply born here and grew up here and has spent his whole life here living socially and culturally integrated with Jews. So, we have many different situations. And each situation has its own challenges and questions that arise. But no one is privileged. It’s not that this community is for Jews and everyone else is second-class. We are all members of one church.“

 

copyright: Andreas Main

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Am 16.9.2014 geht es weiter mit dem zweiten Teil der Serie.

Hier geht es zum Live-Stream.

 

16.9.2014 „Die Synagoge prostituiert sich“: Warum orthodoxe Juden Religion und Staat in Israel stärker trennen wollen. Ein Gespräch mit Gershom Gorenberg

17.9.2014 Weltliche Talmud-Schulen: In Israel wächst eine Bewegung, die auch Nicht-Religiösen jüdische Werte und Traditionen vermitteln will.

18.9.2014 „Gott will diese Vielfalt“: Der israelische Rabbiner David Rosen und sein interreligiöses Engagement.

 

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Seit meiner Israel-Reise esse ich weniger Fleisch.

Zwei Rabbiner sind schuld, dass ich mich beim Fleischkonsum zurückhalte: Yonatan Neril und David Rosen. Die beiden habe ich in Jerusalem getroffen und mit dem einen über sein „Interfaith Center for sustainable development“ gesprochen – und mit dem anderen über veganes und vegetarisches Leben.

IMG_5920Fünf Prozent der Israelis leben vegan, acht Prozent vegetarisch. Das haben jüngste Umfragen ergeben. Eine von acht Million Israelis isst also kein Fleisch. Dieser Trend ist vor allem in der säkularen israelischen Gesellschaft zu beobachten, aber auch unter „religious Jews“ bricht diese Debatte massiv auf. Befördert zum Beispiel von Rabbiner David Rosen. Den muss man sich nun nicht als Hippie vorstellen. Ganz im Gegenteil. Er trägt einen gepflegten gestutzten Bart; er trägt Krawatte im Büro, was in Israel, das sehr, sehr auf casual setzt, nicht eben verbreitet ist; er ist ein hochrangiger Rabbiner beim American Jewish Committee. Genau dieser Mann ist engagierter Öko. Allerdings nicht im parteipolitischen Sinne. Ich – als Teil des Klischeegewerbes – hätte von diesem Mann nie erwartet, dass der sich 100 % vegetarisch ernährt.

Copyright: Andreas Main

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Es sind wohl diese Geschichten, die ich erzählen möchte: von Menschen, die nicht in unsere Israel-Schubladen passen. Israel ist so viel bunter und überraschender als das Bild, das uns Korrespondenten zeichnen. Das mache ich denen noch nicht mal zum Vorwurf. Das ist ja ein Wechselverhältnis. Die würden auch gern mal was anderes machen als Konflikt, Konflikt, Konflikt. Zumindest einige. Ich jedenfalls will Geschichten erzählen, die womöglich ein wenig überraschen oder gar verwirren – egal ob es Popkultur- oder Religionsthemen sind.

Copyright: Andreas Main

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Heute lief ein weiterer Beitrag, der hoffentlich diesem Anspruch gerecht wird, in der Sendung „Tag für Tag. Aus Religion und Gesellschaft“:

„Ökos“ im Judentum:

 

Grüne Rabbis  setzen sich für Vegetarismus und Umweltprojekte ein.

Vielleicht sollte ich auf das folgende Foto verzichten, weil es die vegetarische Wohlfühlatmosphäre dieses Posts zerstört. Aber das ist auch Israel, genauer Tel Aviv. So werden in den Hinterhöfen des wunderbaren Karmel Markts Fleischreste verwahrt.

Wohl noch ein Grund, es meinen Rabbis halbwegs konsequent nachzutun.

Das kann es nicht sein. Copyright: Andreas Main

Das kann es nicht sein. Copyright: Andreas Main

 

 

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Christliche Palästinenser drängen in die israelische Armee

Tel Aviv ist FlipFlops und kurze Hose. Jerusalem ist Sneakers und lange Hose. Tel Aviv ist Pop; Jerusalem ist Religion. Okay, ich bin im Klischee-Gewerbe. Aber am Ende des Tages ist an diesem Tweet von mir was dran.

Israel bietet für mich alles, was mir wichtig ist in meinem Leben und in meiner Arbeit: Religion und Popkultur, Jerusalem und Tel Aviv.

Ich schwelge im Material, das ich mitgebracht habe aus Israel für Radiogeschichten. Langsam aber sicher arbeite ich alles ab. Ich beginne mit Jerusalem und der Religion; am 3. Oktober kommt dann ein einstündiges Tel-Aviv-Porträt im Deutschlandfunk.

Heute lief bei „Tag für Tag. Aus Religion und Gesellschaft“ im Deutschlandfunk mein Beitrag „Mehr christliche Araber leisten Wehrdienst in der IDF“, der hier nachzulesen und ein halbes Jahr lang nachzuhören ist.  Oder auch weiter unten. Da habe ich das Audio für die Ewigkeit hochgeladen.

Vor dem Hören am besten meinen Anmoderationsvorschlag lesen. Denn unterkomplex ist das Thema nicht unbedingt.

Rund 20 Prozent der Israelis sind Araber, etwa 1,7 Millionen. Viele der arabischen Israelis verstehen sich als Palästinenser. Von denen sind 90 % Muslime, 10 Prozent Christen. Sie sind nicht verpflichtet, Wehrdienst zu leisten. Sie können es aber freiwillig tun. Bisher hat das kaum jemand gewollt. Denn wer will schon als israelischer Palästinenser im Ernstfall in Hebron im Westjordanland auf Palästinenser schießen? Und doch: Die Zahl hat sich in den vergangenen zwei Jahren verdreifacht. Noch auf niedrigem Niveau. Aber immerhin. In Israel ist eine Debatte entbrannt rund um die Frage: Was tun, wenn arabische Israelis dienen wollen? Christliche und jüdische Kritiker schlagen Alarm:

 

copyright: Andreas Main

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Ich habe gesprochen mit:

David Rosen, er ist Rabbiner und  International Director für interreligiöse Beziehungen beim American Jewish Comittee.

Gershom Gorenberg, er ist Autor. Seine Bücher „The Unmaking of Israel“ und „The Accidental Empire“ begleiten mich seit rund 18 Monaten, wiewohl ich nicht jeden Argumentationsstrang teile. Hochinteressante Bücher!

David Neuhaus, er leitet das Vikariat für die Hebräisch sprechenden Katholiken im Heiligen Land. Er ist Jesuit und Jude. Ein jüdisch-katholischer Ordensmann. Wer beim Hören drüber stolpert: Das stimmt. Neuhaus versteht sich nicht nur selbst so; auch aus jüdischer Perspektive bleibt er immer jüdisch; er hat nun mal eine jüdische Mutter; aus dem Judentum trittst Du nicht aus. Er ist als junger Mann katholisch geworden.

Ofer Zalzberg, er ist Politikberater bei der International Crisis Group.

Passende Bilder zum Thema habe ich eigentlich nicht. Aber ein Blogpost ohne Bilder? Verzeiht mir.

copyright: Andreas Main

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