Der Papst in IsraelPalästina – unsere Zwischenbilanz

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Starbucks Bethlehem, der Star von Bethlehem und der Papst

Wozu Photoshop nicht alles gut ist. Aus Ramallah kenne ich ja, dass es dort „Star Bucks“ gibt. Das wird aber noch getoppt durch „Starbucks Bethlehem“. Die sind noch näher dran am Original. Wozu der böse Amerikaner nicht alles herhalten muss.

Aber als ich zur Vorbereitung des Papstbesuchs am 25.5.2o14 mal wieder nach Bethlehem fuhr, traute ich meinen Augen nicht.

Dort wo ein Stern den Hirten den Weg gezeigt hat, zeigt uns heute „Starbucks Bethlehem“ den Weg zu einem völlig überteuerten Kaffee. Und auch heute können noch Wunder geschehen. Yassir Arafat lebt und trifft den seit gut einem Jahr amtierenden, neuen Papst Franziskus.

Copyright: Andreas Main

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Da sind die offiziellen Plakate etwas weniger a la „1001 und eine Nacht“. Aber kreativ sind sie auch. Da fliegen die Tauben nur so durch Bethlehem. Die beiden haben sich de facto schon mal gesehen. Das ist nicht am Rechner gebastelt. Aber in Bethlehem war der Papst bis dato eher noch nicht.

copyright: Andreas Main

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Presseausweise fallen nicht vom Himmel: Die Nahostreise des Papstes

Es ist ein bisschen wie autofreier Samstag. In meinem Viertel Nachlaot in Jerusalem ist es noch ruhiger als sonst. Und drumherum auch eine unglaubliche Ruhe. Eigentlich dürfte ich den Rechner ja gar nicht anmachen. Aber ich kann nicht noch länger damit warten, dass ich drauf hinweise, dass ich mich gestern in der Sendung „Tag für Tag. Aus Religion und Gesellschaft“ im Deutschlandfunk zum Papstbesuch geäußert habe. Mittlerweile sind fast 30 Stunden verstrichen und Franziskus schon längst im Land.

Aber vielleicht interessiert dies ja den und die eine oder anderen:

 

(Politische) Befreiungs-Theologie oder nationalistisches Christentum?

(Politische) Befreiungs-Theologie oder nationalistisches Christentum?

Noch ein bisschen Making-of:

Ich mache selten Großereignisse, habe somit wenig Erfahrung, wie so was abgeht. Ich weiß auch nicht, ob das am Nahen Osten liegt oder Großereignissen immanent ist – auf jeden Fall habe ich mich köstlich amüsiert.

Es gab selbstverständlich drei Akkreditierungsverfahren – einmal Jordanien, dann Palästinensische Autonomiegebiete und Israel.

Bei den Palästinensern war die Abgabefrist am 16.4.2014, also vor mehr als sechs Wochen. Ich hätte das fast verpasst.

Zeigt schon, wer hier der Herr im Haus ist.

Zeigt schon, wer hier der Herr im Haus ist.

Bei den Israelis war das Verfahren auch lustig: Beim Abdrücken der 10 Shekel Bearbeitungsgebühr funktionierte wenig. Dann schrieb eine nette Mitarbeiterin aus Jersualem, man möge einfach die 18 als Passwort nehmen.

Von beiden Seiten habe ich dann nichts mehr gehört.

Auf den letzten Drücker kam die Email aus Ramallah, dass es zwei zweistündige Zeitfenster gibt, um den Presseausweis in Ramallah oder Bethlehem abzuholen.

In Jerusalem wurde einem erklärt, man könne das Teil in einem Technologiepark abholen, wo das Government Press Office residiert.

Bei denen war ich zuerst. Das hat mich einen Vormittag gekostet. Die Dame war köstlich. Gott sei mit mir, meinte sie. Denn eigentlich wären die kompletten Presseausweise schon im Pressezentrum. Dann allerdings hätten wir den Fehler nicht mehr korrigieren können, den ich fand, nachdem sie mich ums Gegenchecken bat. Falsche Reisepassnummer. Ich bekam einen neuen angefertigt.

Presseausweis Israel

Die Anreise nach Bethlehem dauert auch. Herzliche Begrüßung an der Pforte der Bürgermeisterin. Dann werden alle Presseausweise auf einem Tisch verteilt.

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Es dürften einige hundert sein, denn nach Angaben des Pressesprechers des Präsidenten haben sich 1.000 Journalisten akkreditiert. Ich finde mich:

 

 

 

 

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Ich war das letzte Mal im Jahr 1995 in Bethlehem. Dass die Christen auswandern, ist offensichtlich. Es sind viel weniger nicht verschleierte Frauen als einst.

Copyright: Andreas Main

Copyright: Andreas Main

 

Nichtsdestotrotz: Ich will da morgen früh rein. Das wäre meine erste Papstmesse. Es gibt zwar im Pressezentrum die Möglichkeit, das auch an Bildschirmen zu verfolgen. Aber mir erscheint das authentischer – und vor allem nach all der Vorarbeit, die addiert deutlich mehr als einen Arbeitstag gekostet hat. Auch das ist Journalismus. Mal so als Tipp für die, die „auch was mit Medien machen wollen“.

 

 

 

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Die Wiederholung in den Künsten: Tag um Tag guter Tag

Im Radio gibt’s ja keine Credits oder Danksagungen. Ich habe es schon öfter mal versucht. Aber da beiße ich mir an Redakteuren die Zähne aus.

Deswegen will ich es hier tun.

Dies war gestern im Radio zu hören:

„Tag um Tag guter Tag. Die Wiederholung in den Künsten.“ Von Andreas Main.

Sendetermin: 18.05.2014.

Sender: Deutschlandfunk

Sendung: Freistil

Regie: Philippe Brühl

Redaktion: Klaus Pilger

Eine Woche lang lässt sich die Sendung auf der Website des Deutschlandfunks nachhören. Danach hier:

Es haben viele inspiriert, mitgeholfen, Fragen beantwortet, Interviews gegeben und mich und dieses Projekt länger als ein Jahr begleitet. Danke an: Thomas MeineckeHans Nieswandt, Peter Dreher, Stefan Kraus, Thomas Rentmeister, Klaus Pilger, Philippe Brühl, Walter Zimmermann, Cai WagnerPeter BackofMartin Otto-Job BöttcherBjörn GottsteinConny MeyerPatrick Wellinski, Ralf Burmeister.  (Reihenfolge weder alphabetisch noch Rangfolge.)

Sie haben mit mir ihre Kenntnisse in ihrem jeweiligen Fachgebiet geteilt oder waren bereit, Auskunft oder Interviews zu geben, über ihre Arbeit als Künstler oder Kunstaffine in der Zeitschleife.

Schon krass, wie lange man an so einem Projekt arbeiten kann. Die Idee ist fast zwei Jahre alt. Du gehst damit schwanger, wirst immer schwangerer und dann steht es plötzlich im Programmheft.

Wäre ich nicht gerade in Israel, würde ich noch mehr erzählen wollen, aber das ‚Werk‘ an sich sollte für sich sprechen. Viel Spaß beim Hören.

 

Peter Dreher: Tag um Tag guter Tag

Copyright: Peter Dreher / Andreas Main

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Eine Herrenhandtasche an der Grenze zu Syrien

Um uns selbst haben wir nun wahrlich keine Angst gehabt, aber da hinten leiden Menschen. Genauer: Syrer. Wir schauen von den Golanhöhen in von Rebellen kontrolliertes Gelände, wo die Truppen Assads die Kontrolle verloren haben. Es kracht und rumst. Zufällig läuft mir Nitzan Nuriel über den Weg. Er ist Sicherheitsberater. Unschuldige Menschen sterben. Da tritt Papas Herrenhandtasche in den Hintergrund.

Golan Heights, an der Grenze zu Syrien / Copyright: Andreas Main

Golan Heights, an der Grenze zu Syrien / Copyright: Andreas Main

 

Der nächste Abstecher ist Majdal, ein drusisches Dorf im nördlichsten Zipfel der Golan Heights. Es liegt direkt unter dem Mount Hermon. Hier hinter Papas Herrenhandtäschchen.

Copyright: Andreas Main

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Wir treffen Shefaa Abu Jabal. Sie stammt aus einer drusischen Familie, bezeichnet sich selbst aber nicht als Drusin. Sie lehnt die israelische Besatzung ab, die ich angesichts des Irrsinns hinter der Grenze gut verstehen kann. Sie sieht sich als Syrerin. Sie ist Demokratin durch und durch. Diese Frau, wiewohl ich nicht alle ihre Ansichten teile, wäre wohl die ideale Ministerpräsidentin eines neuen, ganz anderen Syrien.

Golan Heights / Copyright: Andreas Main

Golan Heights / Copyright: Andreas Main

Am Grenzzaun habe ich sie vor einem Jahr kennengelernt bei einer BpB-Reise. Genau hier haben wir uns nun wieder getroffen. Sie ist wesentlich pessimistischer, vergleicht nun die Situation in Syrien mit den Wehen einer Frau. Möge sie recht behalten, dass daraus was Positives erwachse. Bis dahin trennt dieser Zaun die auf dem von Israel besetzten Golan lebenden Drusen von den Drusen im Bürgerkriegs-Syrien.

Copyright: Andreas Main

Copyright: Andreas Main

 

 

 

 

 

 

 

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Papas Herrenhandtasche reist um die Welt: heute Haifa

Copyright: Andreas Main

Copyright: Andreas Main

Das Herrenhandtäschchen hat die Bahai-Gärten gesehen. In Haifa. Es ist meine vierte Israel-Reise, aber Haifa habe ich bisher verpasst. Dringend zu empfehlen die Masada-Street. Ein paar coole Cafés und entspannte junge Menschen. Von dort sind auch die Bilder. In Masada Street -und überhaupt in Haifa – leben jüdische und arabische Israelis entspannt zusammen oder nebeneinander. Das ist mit Händen zu greifen.

Masada Street in Haifa.  Copyright: Andreas Main

Masada Street in Haifa.
Copyright: Andreas Main

Plötzlich ruft – oder schreit – ein Israeli uns auf hebräisch an. Mitte 50 vielleicht. Aus seinem Auto heraus. Hatte er was an meinem Fahrstil zu meckern, bevor wir einparkten? Oder irgendwie anderweitig schlechte Laune? Nun, aber irgendwie freute ich mich doch, für einen hebräisch sprechenden Menschen gehalten zu werden. Ich ging also zu ihm und deutete an, ob er zu englisch switchen könne. Er bat mich dann lautstark, ihm zu helfen, da er in eine extrem enge Parklücke wollte.

Danach entwickelte sich ein Gespräch, wie es oft passiert in Israel. Der Mann heißt Mr. Zimmermann. Sein Großvater war Rabbi in Mainz, er zog noch vor der Nazi-Diktatur nach Kiew in die Ukraine, um dort Mr. Zimmermanns Großmutter zu ehelichen. Mr. Zimmermanns Eltern überlebten die Shoah. Nach der Befreiung zogen sie zurück nach Deutschland, 1948 machten Aliyah, sprich: wanderten nach Israel aus. Ich so: Wenn der Großvater nicht so smart gewesen wäre, meine ‚Heimat‘ zu verlassen, würden wir jetzt kaum miteinander reden, weil Mr. Zimmermann nie geboren worden wäre. Er lacht laut und gibt mir High five.

Dann lästert er noch etwas über die Schlamperei in Israel. Sein Handwerkerwagen – er ist Elektriker – sei immer aufgeräumt, anders als die Autos vieler Kollegen. Die deutschen Gene, meint er. Er macht eine Geste, die besagt, dass Deutsche immer präzise und geradlinig seien. Auf meine Bemerkung, dass sich das verändere, erzählt er, er beneide seine Schwester, die sei geboren, als seine Eltern in Deutschland lebten. Deswegen habe sie zwei Pässe – auch einen deutschen. Er hätte  gerne auch einen.

Masada Street in Haifa / Copyright: Andreas Main

Masada Street in Haifa / Copyright: Andreas Main

Das waren ein paar Minuten, in denen er so viel von sich preisgab. Etwa 10 Minuten zuvor hatte uns unser Airbnb-Host noch auf hebräisch eine Redewendung zitiert, die sich wohl so übersetzen lässt: Es kommt nicht drauf an, wie viel und wie lange Menschen miteinander reden, sondern wie intensiv. So war es auch mit Gal, der übrigens der beste Gastgeber der Welt und allen Haifa-Reisenden zu empfehlen ist („gay-friendly“).

So war es auch mit dem jungen Belgier in Tel Aviv / Yaffo, der kein Israeli werden möchte, aber jüdisch ist und in Tel Aviv studiert. Und das auch gerne. „Long story“, sein Kommentar, warum er keinen israelischen Pass will.

So war es auch mit der Mallorquinerin, die einen Israeli geheiratet hat, aber nicht jüdisch geworden ist. Wie ihr das Leben in Israel gefalle als Spanierin: Manchmal sei es großartig in diesem Land, manchmal aber auch absolut nicht.

Und last but not least: Raya oder Raja, gesprochen jedenfalls Raja, die in Haifa geboren ist, aber lieber und besser englisch spricht denn hebräisch und die uns wärmstens empfiehlt, arabisch zu lernen.

So viele Leben. So viele Identitäten.

Papas Herrenhandtasche macht einiges mit. Es würde ihn, der sie einst trug, freuen.

 

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Jennifer Oellerich: „Die Tropfengröße stimmt so weit.“

Ich bin ein Wettervorhersagen-Junkie. Als ich angerufen wurde, ob ich einen Beitrag für die geschätzte Sendung „Neonlicht“ im Deutschlandradio Kultur machen wollte, habe ich prompt zugesagt. Denn es ging um „Regen und Kunst“.

Ich kannte die Künstlerin bis dato nicht. Schade eigentlich. Aber es ist ja nie zu spät. Sie heißt Jennifer Oellerich und wird vertreten von der Galerie Kwadrat.

Ihr das Label „Regenkünstlerin“ zu verpassen, wäre wohl reichlich schlicht. Denn ihr Ansatz hat etwas durchaus Philosophisches: Einerseits versucht, Jennifer Oellerich den Regen zu zähmen und zu kontrollieren, andererseits ist sie komplett abhängig von ihm. Der Regen kann ihre Arbeiten sozusagen verhageln – oder sie im Stich lassen. Etwa wenn neue Werke fertig werden müssen für eine Ausstellung.

 

Copyright: Jennifer Oellerich

Jennifer Oellerich / Zeitweise leichter Regen, weiß / Tintenstrahldruck auf Papier, Regen / 109 cm x 97 cm 2011 / Copyright: Jennifer Oellerich

 

Um mal von der Deutschlandradio Website zu zitieren:

„Was andere träge und melancholisch macht, treibt die Künstlerin Jennifer Oellerich aufs Fahrrad. Sobald die ersten Tropfen fallen, stehen bei ihr die Zeichen auf Arbeit. Dann muss im Hof ihres Ateliers blitzschnell der Zeichentisch aufgebaut werden. Nicht um einen besonders stattlichen Cumulonimbus aufs Papier zu bringen, sondern um ihre Bilder so richtig schön vollregnen zu lassen. Wenn man nur vorher wüsste, wann es endlich wieder losgeht.“

Hier ist der Beitrag nachzuhören:

 

Noch schöner ist es natürlich, sich die 30 Minuten Zeit zu nehmen und die ganze Sendung zu hören. Denn mein Beitrag ist kein klassisches Künstlerporträt, sondern Teil eines Großstadtmagazins, diesmal zum Thema: „Ganz schön feucht hier… Die Stadt im Regen“.

Das lässt sich hier nach hören. Zumindest ein halbes Jahr lang.

Copyright: Jennifer Oellerich

Jennifer Oellerich / Schauer / Tintenstrahldruck auf Papier, Regen / 102 cm x 79,3 cm / 2011 / Copyright: Jennifer Oellerich

 

Jennifer Oellerich ist Jahrgang 1974, sie stammt aus Cuxhaven und lebt und arbeitet in Berlin. Sie arbeitet mit Bitumen, Lack, Papier, Holz – und: mit Regen. Das Atelier von von Jennifer Oellerich: in einem Hinterhof in Berlin-Wedding. Seit 2008 ist der Regen ihr Freund. Seitdem experimentiert sie, liest, denkt nach: über Regen. Jennifer Oellerich hat in Berlin bei Tony Cragg an der Universität der Künste studiert. Sie hatte gerade eine Einzel-Ausstellung in Istanbul. Demnächst ist sie zu sehen in New York, Aachen und Berlin.

Eine ihrer Serien: Sie fotografiert den Himmel. Das druckt sie aus – mit einem Tintenstrahldrucker. Die monochromen, wasserlöslichen DIN-A-4-Prints vervielfältigt sie, legt sie nebeneinander auf einen Tisch im Berliner Hinterhof. Und dann beginnt das Warten.

Sie beschreibt den Prozess so:  „Ich habe eine Pappe vorbereitet. Die liegt über der Arbeit. Es geht darum, dass sie den Regen aufnehmen soll und dass der Regen die Oberfläche verändert. Und wenn es dann losgeht, nehme ich diese Maskierung runter.“

Für sie ist nicht nur wichtig, dass es regnet, sondern auch wie. „Bei diesen Papierarbeiten darf der Regen nicht zu stark sein, weil dann sofort größere Pfützen entstehen. Da muss ich immer gucken, dass es eine Intensität hat, die passt. Wenn es nur nieselt, bin ich enttäuscht. Da kann man nicht mit arbeiten. So ein schönes Mittelding habe ich am liebsten.“

Ihre Arbeiten haben Titel wie etwa: „Zeitweise leichter Regen“. Ein mal ein Meter groß: in der Mitte ein Kreis. Den hat sie beregnen lassen. Das wirkt wie eine Mondlandschaft. Oder wie ein Planet in einer anderen Galaxie, fotografiert von einem Satelliten im Jahr 2095.  „Also, mir geht es auch darum, den Betrachter in seiner Wahrnehmung ein wenig durcheinander zu bringen und zu verwirren.

Es war ein Freitagnachmittag, als wir im Wedding auf Regen warteten. Das war alles andere als langweilig. Jennifer Oellerich zeigte mir all ihre Arbeiten, sofern sie nicht gerade in Ausstellungen waren. Wir klickten durch ihr Portfolio auf dem Rechner. Wir redeten über gemeinsame Künstlerfreunde wie Thomas Rentmeister und Birte Bosse. Das hätte auch noch so weiter gehen können. Aber ich hatte eine abendlich-nächtliche Feature-Produktion. So etwas ist seit Monaten geplant und lässt sich nicht verschieben. Und eigentlich hatte mir meine Wettervorhersage prophezeit, dass an diesem frühen Abend noch was kommen würde an Niederschlag. Allerdings: Fehlanzeige. Ich musste fahren.

Kaum bin ich weg, schreibt Jennifer Oellerich um 18:02 Uhr: „Na bitte, es tröpfelt schon.“ Und während ich über Reporterpech und Künstlerglück nachdenke, schreibt sie die nächste SMS: „Die Tropfengröße stimmt so weit.“

Doch auch wenn sich meine Meteorologen an jenem Tag um ein paar Minuten verrechnet haben, die beste Wetter-App fürs iPhone (und andere Betriebssysteme) ist und bleibt meines Erachtens WeatherPro von Meteogroup.

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Erleuchtet: Nanoleaf Bulbs aus San Francisco

Wahrscheinlich bin ich der erste in Deutschland oder einer der ersten, der so eine Nanoleaf Bulb besitzt. Das sind Glühbirnen – da fliegt Dir die Schädeldecke weg. Mit 11 Watt sieht Dein Raum aus wie ein OP-Saal. Das lässt sich nur schwer durchsetzen, wenn Du mit mehreren zusammen wohnst. Dein Wohnzimmer sieht aus wie ein Labor. Das will nicht jede. Aber ich bin überzeugt: Für Ateliers, Büros, etc. ist das ein Durchbruch.

 

Copyright: Andreas Main

Copyright: Andreas Main

Ich habe die Nanoleaf Bulb via Kickstarter mitfinanziert. Das Teil hat 35 Dollar gekostet. Aber als Anhänger und Befürworter der Kernenergie möchte ich dennoch Strom sparen. Und was diese Jungs da entwickeln, wird das Geschäft mit Leuchtkörpern verändern. Das ist mal keine Crowdfunding-Kampagne zugunsten von Musikalben, die keiner braucht. Sondern vermutlich wichtig.

Tom Rodinger, Gimmy Chu und Christian Yan sind zudem extrem korrekt. Immer wenn es in der Entwicklung, Produktion oder beim Shipping Probleme gab, hielten sie uns Backer auf dem Laufenden. Schlanke 17 Updates haben sie verschickt. De facto habe ich auf diese Birne viel länger gewartet, als erwartet und ursprünglich angekündigt. Aber sie wollten halt keinen Trash verschicken, und ohne Vertrauen läuft Crowdfunding einfach nicht. Und diese jungen Männer sind einfach sympathisch. Und ihre „world’s most energy efficient light bulb“ ist es auch:

 

 

Dass sie so wenig Strom braucht, liegt wohl daran, dass sie wenig Wärme abstrahlt, mithin den Raum nicht heizt. Aber ich bin kein Tech-Freak. Wer mehr wissen will, muss woanders suchen.

 

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Das Team kümmert sich sogar um den deutschen Zoll. Hoffentlich ist es in Neuseeland oder Botswana nicht so schlimm wie im Falle Deutschland:

„We also have an update for our backers located in Germany. Unfortunately our bulbs are being held off by the German custom because they do not yet have CE marking. We are in the process of gathering the required documents and test results to obtain the CE mark but unfortunately this will take some time. We want to apologize to all of our German backers who have to wait a little longer. Please create a support ticket with us if you have not yet received a bulb from us, and indicate that the receiving address is in Germany.“

Was lustig ist: In meinem Fall ist die Nanoleaf Bulb stressfrei durch den Zoll gekommen. Oder die Jungs haben das von SanFran aus gemanagt. Ich habe jedenfalls keinerlei Unbill gespürt.

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Das war der Stand im März: „We have fulfilled 5596 of our 5746 Kickstarter backer rewards. This means that there are only 150 of you who are still waiting for your rewards.“ Also, man kann davon ausgehen, dass die teure Leuchte auch ankommt.

Es gibt viel Spott zur Zeit über Crowdfunding Kampagnen. Manchmal sicher berechtigt. Aber in diesem Fall habe ich gern 35 Dollar versenkt. Oder gespendet. Ich muss noch ein wenig rumexperimentieren, in welcher Lampe die Nanoleaf Bulb das beste Licht abgibt. Auf jeden Fall habe ich Freude, Teil dieser Entwicklung zu sein, die die Welt ein bisschen besser machen will. Die Energie dieser jungen Leute steckt an. Ein kalifornischer Jungbrunnen. Erleuchtet.

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Der Maler Peter Dreher: „Ich liebe die Ich-Losigkeit“

Ich wäre gern ein bisschen so wie Peter Dreher, habe es aber bisher nicht in Ansätzen geschafft, so gelassen zu sein, so in mir zu ruhen wie dieser Maler. Ich rege mich immer noch auf über rücksichtslose Nachbarn, über etatistisches Denken in dem Land, dessen Pass ich habe, über handlungsunfähige sogenannte Bürgermeister in Kreuzberg, über desolate Fahrradwege in Köln. Die Liste ließe sich verlängern.

Der 1932 geborene Künstler Peter Dreher hingegen sagt mir gegenüber Sätze wie diese:

„Wenn ich die Gelegenheit habe, das Glas zu malen, dann ist das ein guter Tag für mich: wenn ich das Glas malen darf.“ Oder: „Ich liebe die Ich-Losigkeit.“ Und die findet er im Atelier: „Wenn ich mich da an meinen Arbeitsplatz setze und mir das Glas anschaue, dann habe ich ein Gefühl von Heimkehr zu mir selbst.“

Peter Dreher: Tag um Tag guter Tag

Copyright: Peter Dreher / Andreas Main

Wer mehr über Peter Dreher lesen will oder ihn hören will, kann das tun auf Deutschlandradio Kultur. Da lief heute im „Radiofeuilleton“ in der Reihe „Profil“ mein Peter-Dreher-Porträt.

Vielleicht noch ein paar Infos – vor dem Hören:

Peter Dreher ist eine große Nummer in der Kunstwelt. Es gibt keinen vergleichbaren Künstler, der sich in so großer Zahl immer wieder und so lange einem Objekt widmet: Peter Dreher malt seit mehr als 40 Jahren immer wieder ein Glas. So sind bis heute mehr 5.000 Bilder entstanden, auf denen immer wieder dasselbe zu sehen ist: ein Glas. Dreher ist ein Schüler des berühmten Expressionisten Erich Heckel; und er ist der Lehrer unter anderem von Anselm Kiefer. Anders als viele in diesem Fegefeuer der Eitelkeiten, das auch Kunstwelt genannt wird, entzieht er sich jeglichem Glamour, will einfach nur malen. Von daher ist er auch alles andere als ein Promi, aber doch hoch verehrt bei denen, die genauer hinschauen.

Hören geht auch hier, denn in einem halben Jahr darf DLR das Audio nicht mehr zur Verfügung stellen.

Peter Dreher: Tag um Tag guter Tag

Copyright: Peter Dreher / Andreas Main

Berlinern empfehle ich den Besuch in der Galerie Wagner + Partner am Strausberger Platz. Dort ist eines der ersten Glasbilder von Peter Dreher zu sehen sowie rund 30 Glasbilder aus den letzten Jahren. „PETER DREHER – „TAG UM TAG GUTER TAG“ (1974-2014)“ – noch bis zum 3. Mai 2014.

(Auf der Website der Galerie gibt es auch wesentlich bessere Fotos als die meinen.)

Ich beschäftige mich mit Peter Drehers Arbeit mittlerweile seit mehr als einem Jahr. Der Grund: Wir produzieren gerade in dieser Woche ein Feature für den Deutschlandfunk – und zwar in der Reihe „Freistil“. Wer mag, kann es sich schon mal in den Kalender schreiben.

‚Tag um Tag guter Tag – Die Wiederholung in den Künsten’ am 18.05.2014 20:05 – 21:00 Uhr im Deutschlandfunk, in der Sendung „Freistil„. Regie: Philippe Brühl. Einer der Sprecher: der Schauspieler Hans Peter Hallwachs.

Peter Dreher: Tag um Tag guter Tag

Copyright: Peter Dreher / Andreas Main

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Frank Spilker und die Rote Ernte

Ich arbeite gerade eher an Großprojekten, aber heute kann ich mit einer kleinen Collage dienen, die im Deutschlandfunk am 25.02.2014 zu hören war. Es geht um den Musiker und Autor Frank Spilker.

Für die, die ihn nicht kennen:

Frank Spilker ist Musiker. Er ist in Ostwestfalen aufgewachsen, dort hat er 1987 auch die legendäre Band „Die Sterne“ gegründet. Dann ging es nach Hamburg. Seit den 90er Jahren gelten „Die Sterne“ neben „Blumfeld“ und „Tocotronic“ als die wichtigsten Vertreter der sogenannten „Hamburger Schule“, auch wenn diesen Begriff langsam keiner mehr hören mag. „Die Sterne“ nehmen übrigens zur Zeit gerade ein neues Album auf. Aber Frank Spilker ist nicht nur in Studios und auf Konzert-Bühnen unterwegs, sondern auch auf Lesebühnen. 2013 ist sein erstes Buch erschienen. Der Titel: „Es interessiert mich nicht, aber das kann ich nicht beweisen.“ Was aber interessiert Frank Spilker? Woran orientiert er sich? Was hat ihn künstlerlisch geprägt? Was ist sein Klassiker? Es ist ein Kriminalroman, einer der ersten so genannten hard boiled Krimis, also jenes Genre, in dem es zur Sache geht. Frank Spilkers Klassiker ist bereits 1929 erschienen – aber prägt ihn bis heute.

Mein Klassiker: Der Musiker und Autor Frank Spilker über „Rote Ernte“, den ersten Kriminalroman von Dashiell Hammett

Nachzulesen ist er dort ‚für immer‘, nachzuhören nur ein halbes Jahr. Danach empfehle ich diesen Link:

Frank Spilker

Foto: Juliane Werner

Noch ein paar Randbemerkungen zur Herkunft. Frank Spilker ist in Herford geboren. Ich auch. Das verbindet. Wobei er offenbar in Bad Salzuflen aufgewachsen ist, so steht es jedenfalls auf seiner Facebook-Seite. Der Kollege Christian Möller hat über unser aller ostwestfälische Wurzeln gemeinsam mit einem Kollegen ein großes Projekt gemacht: einen Blog und ein Feature unter dem Titel „Bad Salzuflen weltweit. Die Geburt des Diskurspop aus dem Geiste der Kurtaxe.“ Leider habe ich die Sendung verpasst, aber allein der Titel und die Fotos machen Freude.

Und zu guter letzt noch zwei Videos der Sterne. Dies von 2006:

Und das von 1993, als viele von Euch noch nicht geboren waren, ‚leider‘ mit dem bösen F-Wort:

In Vorfreude aufs neue Album und auf einen Besuch im Deutschlandfunk oder ein Wiedersehen wo auch immer!

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