Papas Herrenhandtasche reist um die Welt: heute Haifa

Copyright: Andreas Main

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Das Herrenhandtäschchen hat die Bahai-Gärten gesehen. In Haifa. Es ist meine vierte Israel-Reise, aber Haifa habe ich bisher verpasst. Dringend zu empfehlen die Masada-Street. Ein paar coole Cafés und entspannte junge Menschen. Von dort sind auch die Bilder. In Masada Street -und überhaupt in Haifa – leben jüdische und arabische Israelis entspannt zusammen oder nebeneinander. Das ist mit Händen zu greifen.

Masada Street in Haifa.  Copyright: Andreas Main

Masada Street in Haifa.
Copyright: Andreas Main

Plötzlich ruft – oder schreit – ein Israeli uns auf hebräisch an. Mitte 50 vielleicht. Aus seinem Auto heraus. Hatte er was an meinem Fahrstil zu meckern, bevor wir einparkten? Oder irgendwie anderweitig schlechte Laune? Nun, aber irgendwie freute ich mich doch, für einen hebräisch sprechenden Menschen gehalten zu werden. Ich ging also zu ihm und deutete an, ob er zu englisch switchen könne. Er bat mich dann lautstark, ihm zu helfen, da er in eine extrem enge Parklücke wollte.

Danach entwickelte sich ein Gespräch, wie es oft passiert in Israel. Der Mann heißt Mr. Zimmermann. Sein Großvater war Rabbi in Mainz, er zog noch vor der Nazi-Diktatur nach Kiew in die Ukraine, um dort Mr. Zimmermanns Großmutter zu ehelichen. Mr. Zimmermanns Eltern überlebten die Shoah. Nach der Befreiung zogen sie zurück nach Deutschland, 1948 machten Aliyah, sprich: wanderten nach Israel aus. Ich so: Wenn der Großvater nicht so smart gewesen wäre, meine ‚Heimat‘ zu verlassen, würden wir jetzt kaum miteinander reden, weil Mr. Zimmermann nie geboren worden wäre. Er lacht laut und gibt mir High five.

Dann lästert er noch etwas über die Schlamperei in Israel. Sein Handwerkerwagen – er ist Elektriker – sei immer aufgeräumt, anders als die Autos vieler Kollegen. Die deutschen Gene, meint er. Er macht eine Geste, die besagt, dass Deutsche immer präzise und geradlinig seien. Auf meine Bemerkung, dass sich das verändere, erzählt er, er beneide seine Schwester, die sei geboren, als seine Eltern in Deutschland lebten. Deswegen habe sie zwei Pässe – auch einen deutschen. Er hätte  gerne auch einen.

Masada Street in Haifa / Copyright: Andreas Main

Masada Street in Haifa / Copyright: Andreas Main

Das waren ein paar Minuten, in denen er so viel von sich preisgab. Etwa 10 Minuten zuvor hatte uns unser Airbnb-Host noch auf hebräisch eine Redewendung zitiert, die sich wohl so übersetzen lässt: Es kommt nicht drauf an, wie viel und wie lange Menschen miteinander reden, sondern wie intensiv. So war es auch mit Gal, der übrigens der beste Gastgeber der Welt und allen Haifa-Reisenden zu empfehlen ist („gay-friendly“).

So war es auch mit dem jungen Belgier in Tel Aviv / Yaffo, der kein Israeli werden möchte, aber jüdisch ist und in Tel Aviv studiert. Und das auch gerne. „Long story“, sein Kommentar, warum er keinen israelischen Pass will.

So war es auch mit der Mallorquinerin, die einen Israeli geheiratet hat, aber nicht jüdisch geworden ist. Wie ihr das Leben in Israel gefalle als Spanierin: Manchmal sei es großartig in diesem Land, manchmal aber auch absolut nicht.

Und last but not least: Raya oder Raja, gesprochen jedenfalls Raja, die in Haifa geboren ist, aber lieber und besser englisch spricht denn hebräisch und die uns wärmstens empfiehlt, arabisch zu lernen.

So viele Leben. So viele Identitäten.

Papas Herrenhandtasche macht einiges mit. Es würde ihn, der sie einst trug, freuen.

 

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