Jennifer Oellerich: „Die Tropfengröße stimmt so weit.“

Ich bin ein Wettervorhersagen-Junkie. Als ich angerufen wurde, ob ich einen Beitrag für die geschätzte Sendung „Neonlicht“ im Deutschlandradio Kultur machen wollte, habe ich prompt zugesagt. Denn es ging um „Regen und Kunst“.

Ich kannte die Künstlerin bis dato nicht. Schade eigentlich. Aber es ist ja nie zu spät. Sie heißt Jennifer Oellerich und wird vertreten von der Galerie Kwadrat.

Ihr das Label „Regenkünstlerin“ zu verpassen, wäre wohl reichlich schlicht. Denn ihr Ansatz hat etwas durchaus Philosophisches: Einerseits versucht, Jennifer Oellerich den Regen zu zähmen und zu kontrollieren, andererseits ist sie komplett abhängig von ihm. Der Regen kann ihre Arbeiten sozusagen verhageln – oder sie im Stich lassen. Etwa wenn neue Werke fertig werden müssen für eine Ausstellung.

 

Copyright: Jennifer Oellerich

Jennifer Oellerich / Zeitweise leichter Regen, weiß / Tintenstrahldruck auf Papier, Regen / 109 cm x 97 cm 2011 / Copyright: Jennifer Oellerich

 

Um mal von der Deutschlandradio Website zu zitieren:

„Was andere träge und melancholisch macht, treibt die Künstlerin Jennifer Oellerich aufs Fahrrad. Sobald die ersten Tropfen fallen, stehen bei ihr die Zeichen auf Arbeit. Dann muss im Hof ihres Ateliers blitzschnell der Zeichentisch aufgebaut werden. Nicht um einen besonders stattlichen Cumulonimbus aufs Papier zu bringen, sondern um ihre Bilder so richtig schön vollregnen zu lassen. Wenn man nur vorher wüsste, wann es endlich wieder losgeht.“

Hier ist der Beitrag nachzuhören:

 

Noch schöner ist es natürlich, sich die 30 Minuten Zeit zu nehmen und die ganze Sendung zu hören. Denn mein Beitrag ist kein klassisches Künstlerporträt, sondern Teil eines Großstadtmagazins, diesmal zum Thema: „Ganz schön feucht hier… Die Stadt im Regen“.

Das lässt sich hier nach hören. Zumindest ein halbes Jahr lang.

Copyright: Jennifer Oellerich

Jennifer Oellerich / Schauer / Tintenstrahldruck auf Papier, Regen / 102 cm x 79,3 cm / 2011 / Copyright: Jennifer Oellerich

 

Jennifer Oellerich ist Jahrgang 1974, sie stammt aus Cuxhaven und lebt und arbeitet in Berlin. Sie arbeitet mit Bitumen, Lack, Papier, Holz – und: mit Regen. Das Atelier von von Jennifer Oellerich: in einem Hinterhof in Berlin-Wedding. Seit 2008 ist der Regen ihr Freund. Seitdem experimentiert sie, liest, denkt nach: über Regen. Jennifer Oellerich hat in Berlin bei Tony Cragg an der Universität der Künste studiert. Sie hatte gerade eine Einzel-Ausstellung in Istanbul. Demnächst ist sie zu sehen in New York, Aachen und Berlin.

Eine ihrer Serien: Sie fotografiert den Himmel. Das druckt sie aus – mit einem Tintenstrahldrucker. Die monochromen, wasserlöslichen DIN-A-4-Prints vervielfältigt sie, legt sie nebeneinander auf einen Tisch im Berliner Hinterhof. Und dann beginnt das Warten.

Sie beschreibt den Prozess so:  „Ich habe eine Pappe vorbereitet. Die liegt über der Arbeit. Es geht darum, dass sie den Regen aufnehmen soll und dass der Regen die Oberfläche verändert. Und wenn es dann losgeht, nehme ich diese Maskierung runter.“

Für sie ist nicht nur wichtig, dass es regnet, sondern auch wie. „Bei diesen Papierarbeiten darf der Regen nicht zu stark sein, weil dann sofort größere Pfützen entstehen. Da muss ich immer gucken, dass es eine Intensität hat, die passt. Wenn es nur nieselt, bin ich enttäuscht. Da kann man nicht mit arbeiten. So ein schönes Mittelding habe ich am liebsten.“

Ihre Arbeiten haben Titel wie etwa: „Zeitweise leichter Regen“. Ein mal ein Meter groß: in der Mitte ein Kreis. Den hat sie beregnen lassen. Das wirkt wie eine Mondlandschaft. Oder wie ein Planet in einer anderen Galaxie, fotografiert von einem Satelliten im Jahr 2095.  „Also, mir geht es auch darum, den Betrachter in seiner Wahrnehmung ein wenig durcheinander zu bringen und zu verwirren.

Es war ein Freitagnachmittag, als wir im Wedding auf Regen warteten. Das war alles andere als langweilig. Jennifer Oellerich zeigte mir all ihre Arbeiten, sofern sie nicht gerade in Ausstellungen waren. Wir klickten durch ihr Portfolio auf dem Rechner. Wir redeten über gemeinsame Künstlerfreunde wie Thomas Rentmeister und Birte Bosse. Das hätte auch noch so weiter gehen können. Aber ich hatte eine abendlich-nächtliche Feature-Produktion. So etwas ist seit Monaten geplant und lässt sich nicht verschieben. Und eigentlich hatte mir meine Wettervorhersage prophezeit, dass an diesem frühen Abend noch was kommen würde an Niederschlag. Allerdings: Fehlanzeige. Ich musste fahren.

Kaum bin ich weg, schreibt Jennifer Oellerich um 18:02 Uhr: „Na bitte, es tröpfelt schon.“ Und während ich über Reporterpech und Künstlerglück nachdenke, schreibt sie die nächste SMS: „Die Tropfengröße stimmt so weit.“

Doch auch wenn sich meine Meteorologen an jenem Tag um ein paar Minuten verrechnet haben, die beste Wetter-App fürs iPhone (und andere Betriebssysteme) ist und bleibt meines Erachtens WeatherPro von Meteogroup.

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