Die Fotos von Thomas Wrede: Wir basteln uns einen Bergsturz

Es gibt diese saublöden Weisheiten, die aber doch so viel Wahrheit in sich haben, dass sie immer wieder zum Besten gegeben werden. Etwa die: Man sieht sich immer zweimal. So auch ich und Thomas Wrede, den ich heute im Deutschlandradio Kultur porträtieren durfte – im „Profil“ im „Radiofeuilleton“. Es ist womöglich weniger ein Porträt als eine porträtierende Reportage seines Werks. Wie auch immer: Es lässt sich hier nachlesen und -hören.

Falls der Audio-Link in einem halben Jahr nicht mehr funktioniert, dann könnt Ihr auch hier nachhören:

© Thomas Wrede, courtesy Wagner + Partner

© Thomas Wrede, courtesy Wagner + Partner

Ich habe in einem früheren Leben mit Thomas Wrede gemeinsam studiert. Wir haben in einem Wohnheim gelebt. In Münster. Dann haben wir uns rund 25 Jahre nicht gesehen. Wir hatten auch keinen Kontakt. Dann lief ich ca. 2009 über die Art Cologne und landete bei einer seiner Galerien: Gefühlte zwei mal zwei Meter große Fotos erleuchteten mich – versehen mit diversen grünen und roten Punkten. Ich dachte: Der hat es geschafft.

Es vergingen wieder ein paar Jahre. Sein Berliner Galerist Cai Wagner machte den Kontakt. Und öffnete mir die Augen, sofern das noch nötig war. Wie Wrede vorgeht, das habe ich in meinem Deutschlandradio-Beitrag erzählt. Das will ich in diesem Making of nicht wiederholen. Auch die Berliner Zeitung hat gerade über Thomas Wrede geschrieben – anlässlich der neuen Ausstellung. „Die Welt als gefährlicher Modellbausatz“ ist der Text überschrieben. Und auch eine Mare-Reportage gibt es zum Download.

Thomas Wrede

© Thomas Schmitz

Was ich aber noch erzählen möchte: Dass dieser Beruf immer noch und immer wieder großartig ist. Ganz platt: weil er einfach Spaß macht. Ich bin nach Münster gefahren. Ich habe mit Thomas Wrede fast einen ganzen Samstag in seinem Atelier und in Sandhaufen und in künstlichen Seen verbracht – auf der Suche nach den optimalen Reportage-Geräuschen aka Atmo, auf der Suche nach neuen Ideen für neue Wrede-Projekte. Zwei große Jungs in kindlicher Neugier.

Was mir wirklich gefallen hat: Thomas Wrede macht alles transparent. Wie aus der Idee, nach Wochen oder Monaten eine Skizze wird. Die wird dann in die Landschaft gesetzt. Es wird hin- und her-choreographiert. Wir basteln uns einen Bergsturz. Das kam dabei raus an jenem Samstag:

Copyright: Andreas Main / Thomas Wrede

Copyright: Andreas Main / Thomas Wrede

Ein Detail mag ich besonders gern: ein Selbstzitat: An der Wand des zerstörten Hauses hängt ein Bild von Thomas Wrede: Es ist das Beach Hotel von 2008, der Auftakt zu seiner Serie „Real Landscapes“. Hier im Sand ist es nicht zwei mal zwei Meter, sondern zwei mal zwei Zentimeter groß. Nein, kleiner. Eher so klein wie der Nagel des kleinen Fingers.

Copyright: Andreas Main / Thomas Wrede

Copyright: Andreas Main / Thomas Wrede

Was man an dieser Stelle vielleicht mal verraten darf: Wir haben für unsere Deutschlandradio-Reportage die analoge Plattenkamera zwar immer mal wieder ausgelöst. Wegen der Geräusche. Aber ein Film war nicht drin. Das Filmmaterial kostet 10 € pro Schuss.

copyright: Andreas Main

copyright: Andreas Main

Wrede arbeitet im übrigen nicht aus nostalgischen oder ideologischen Gründen mit der analogen Plattenkamera. Es geht ihm um die Tiefenschärfe. Wie auch immer: das Ergebnis sind Fotos, die verwirren und mit den Bildern in unserem Kopf spielen.

© Thomas Wrede, courtesy Wagner + Partner

© Thomas Wrede, courtesy Wagner + Partner

Zur Zeit sind seine Arbeiten in der schon erwähnten Berliner „Galerie Wagner + Partner“ zu sehen. Ganz prominent am Strausberger Platz. Und auch in anderen großen Ausstellungen – zum Beispiel in Luxemburg. Bei der Vernissage in Berlin jedenfalls haben wir uns zum zweiten Mal innerhalb von zwei Wochen gesehen.

Und wer immer noch nicht genug hat, kann sich auch einen DW-Film anschauen:

Und einen bzw. eines habe ich noch:

© Thomas Wrede, courtesy Wagner + Partner

© Thomas Wrede, courtesy Wagner + Partner

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