Ah ja, die jüdische Kirche …

Mensch, Mensch, Mensch. Manchmal verstehe ich die Welt nicht mehr. Ich bereite mich auf die nächste Israel-Reise vor. Bill Glucroft, jener junge US-Berliner aus der Box im Jüdischen Museum, über den die New York Times, CNN usf. berichteten und der sich auch auf globalpost selbst dazu geäußert hat, empfiehlt mir gerade das Buch: Gershom Gorenberg: The Unmaking of Israel. Gorenberg versteht sich als linker, orthodoxer Zionist und bloggt hier. Ich habe das Buch bei den Buchhändlerinnen meines Vertrauens (und nicht bei Amazon) bestellt.

Dann wollte ich mal so hier und da lesen, wie „Israel schafft sich ab“ hierzulande rezensiert wird. Da finde ich einen Text bei einem meiner Arbeitgeber, dem Deutschlandradio Kultur, das für hohe Qualität steht, dieses Zitat. Es ist offenbar aus der deutschen Übersetzung:

Diaspora-Juden „können Organisationen in Israel unterstützen, die sich für Menschenrechte und die Trennung von Kirche und Staat (sic!) einsetzen. Sie können helfen, Institutionen zu finanzieren, die das Judentum so vermitteln, wie es gelehrt zu werden verdient: als ein Glaube, der die Achtung für jedes menschliche Leben vertieft.“

 

Ich will niemanden bashen, und jeder macht Fehler. Ich auch. Und ich weiß auch nicht, ob der Fehler dem Übersetzer, dem Lektor, der Kritikerin oder dem Redaktör_in unterlaufen ist. Und ich hatte bisher keine Gelegenheit, das Zitat im englischen Original oder in der deutschen Übersetzung zu prüfen – aber, Leute, eines steht fest: Es gibt keine jüdische Kirche. In Israel könnte Ihr alles mögliche trennen, zum Beispiel Staat und Religion – aber Kirche? Hallo?!? Geht’s noch?

Das passiert leider regelmäßig. Immer wenn ich anglo-amerikanische Bücher rund ums Thema Religion in Übersetzungen in die Finger bekomme, lese ich so was. Zuletzt bei Prothero: God is not one. 

Das hört sich jetzt so oberlehrerhaft an. Aber es muss einfach raus: Mein Mitgefühl gilt Autoren wie Gorenberg und Prothero.

Mir scheint, Fachleute in Funkhäusern, Buchverlagen, Printredaktionen und wo auch immer werden auch künftig gebraucht. Sonst werden wohl immer wieder jüdische Kirchen durchs mediale Dorf getrieben. Oder: die jüdische Kirche im Dorf gelassen.

 

Advertisements
Dieser Beitrag wurde unter Medien, Religionen abgelegt und mit , , , , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

2 Antworten zu Ah ja, die jüdische Kirche …

  1. Michelle schreibt:

    My former roommate (German) used to obliviously refer to Chanukah as „Jewish Christmas.“ She was a real genius, that one.

    I feel your pain.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s