Daniel Kehlmann am Mobiltelefon – war er es wirklich?

Es gibt Episode im Leben eines freien Redakteurs, die so nie auf dem Sender erzählt werden können. Hier haben sie ihren Platz. Also,  wir waren zum Interview mit dem Schriftsteller Daniel Kehlmann verabredet. Bei „Corso. Kultur nach drei“ im Deutschlandfunk. Daniel Kehlmann ließ vorher ausrichten, dass er zusage – aber nur der Voraussetzung, dass er nicht in ein Studio müsse oder zu einem Festnetz. Er habe keines an jenem Tag. Nun, das ist im Radio eigentlich schwierig. Wegen der Qualität und des Risikos. Es ist gut gegangen. Das Gespräch lässt sich hier hören .

Das Skurrile: Kehlmann wollte seine Telefonnummer nicht rausgeben, was ich mehr als gut verstehen kann, sondern direkt im Studio zum vereinbarten Termin anrufen. Es kam aber kein Anruf. Zum Glück hatte ich mir ein Sicherheitsnetz eingezogen. Ein Schutzengel, der die Pressearbeit für den Film „Ruhm“ macht, stand parat, hat Kehlmann angerufen. Dann meldete sich der Schutzengel wieder bei mir mit der Bemerkung, Kehlmann komme „telefonisch nicht raus“. Warum, das würde er mit selber erzählen. Dies sei seine Telefonnummer:…

Also, wer sich nicht mehr erinnern kann: In „Ruhm“ ging oder geht es um Wirren, die aus Mobilkommunikation entstehen. Deswegen erschien mir die Form, das Interview am Mobiltelefon zu machen, auch so attraktiv. Da ist man direkt drin in der Identitätsfrage.

Ich rief also an, und Kehlmann lachte. Ich würde ihm das wohl nicht glauben, aber wenn er nicht in Wien, sondern in Berlin sei, dann habe er eine prepaid-Karte. Und er habe, als er anrufen wollte im DLF, feststellen müssen, dass er kein Guthaben mehr hatte.

Wir haben uns dann schon gefragt: Ist es der richtige Kehlmann – oder ein Fake?

Nunja, ich erzähle dieses Intern-Dings auch nur, weil Daniel Kehlmann sich so köstlich über seine Panne amüsierte und über meine Bemerkung, dass das ja nun aufs Feinste seinen Roman „Ruhm“ widerspiegele. Es gibt diese kurzen Momente, in denen sich entscheidet, ob einem jemand sympathisch erscheint. Das war so ein Moment, in dem mir klar wurde: Daniel Kehlmann kann über sich lachen, ist unprätentiös und einer von uns. Da wurden mir seine Bücher sowie der Film noch sympathischer, als sie es eh schon waren.

Mir hat der Film übrigens ausgesprochen gut gefallen. Mehr noch: Er hat mir Hoffnung gemacht – so wie auch Barbara. Beide heben sich aufs erfreulichste ab von der Kost, die uns so oft aus deutschen Landen aufgetischt wird. Aber das ist eigentlich nicht mein Business. Ich sollte mich nicht zum Filmkritiker aufspielen.

Ich durfte den übrigens vorab legal streamen. Nicht dass ich von Herr R., Kopf einer Berliner Musik-Combo, die bei Universal unter Vertrag ist, als einer denunziert werde, der auf die Köpfe von Künstlern pinkelt.

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