„Don’t eat meat“ – der Schauspieler und Schriftsteller Hanns Zischler über Mäuse, Fleisch und die Seelenverwandtschaft mit Spielberg

Eigentlich stand Hanns Zischler schon seit Jahren auf meiner Wunschliste. Neulich habe ich ihn endlich getroffen: zum Interview. Es gibt Gespräche, die einfacher zu führen sind. Zischler ist aber keiner von diesen Dampfplauderern und Selbstvermarktern. Heute ist das Gespräch gesendet worden. Im Deutschlandfunk. Hier nachzuhören.

Hanns Zischler braucht eigentlich keine Worte. Jedenfalls nicht allzu viel. Man versteht ihn auch so. Es reicht, wie er guckt. Ein schweigsames Gesicht, das auch Steven Spielberg so fasziniert hat, dass er Hanns Zischler engagiert hat, einen Mossad-Agenten zu spielen in München, dem Spielfilm zum Attentat bei den Olympischen Spielen. Es gibt nichts, was Zischler nicht spielen kann. Und so ist seine Filmographie extrem lang. Er ist einer der meistbeschäftigten Schauspieler Deutschlands, es sind rund 200 Film- und Fernsehrollen, in denen er gespielt hat, so Schätzungen. Auch international – etwa in der schwedischen Krimiserie „Kommissar Beck“. Er hat mit Wim Wenders gearbeitet, mit Claude Chabrol und mit fast allen, die in Deutschland Rang und Namen haben. Dennoch ist Hanns Zischler nicht in dem Sinne berühmt, dass er viel PR-Wind um sich macht. Die FAZ titelte mal wunderbar: „Hans wer? … Ach der?“ Zischler ist bis heute vor allem bei Filmkennern geachtet. Deren Anerkennung – das reicht ihm. Sagt er.

copyright: Henrik Jordan

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Doch die Schauspielerei ist nur eine von vielen Facetten des Hanns Zischler. Er ist Autor, Dichter, Übersetzer, Fotograf, Sprecher und Sänger. Jetzt hat er ein Märchen für Erwachsene vorgelegt. Es heißt „Lady Earl Grey“ – und das ist auch der Name der Treppenmaus, um die es geht. Die hat ihr Zuhause verloren.

Illustrationen von Hanno Rink, Copyright: Arche Literatur Verlag

Illustrationen von Hanno Rink, Copyright: Arche Literatur Verlag

Mäuse, München, Märchen – Ich habe Hanns Zischler dort getroffen, wo er lebt: im tiefsten Westen von Berlin: im Westend.

Und was dabei rausgekommen ist, das wurde heute im Deutschlandfunk in der Sendung „Corso. Kultur nach drei“ gesendet. Ein rund achtminütiges Gespräch, das ich primär empfehlen möchte – zum Nachlesen und Nachhören, auch wenn es nach etwa einem halben Jahr aus bekannten medienpolitischen Gründen nicht mehr als Audio verfügbar sein wird.

Wenn es denn verschwunden ist und vor allem für Hardcore-Fans von Hanns Zischler gibt es hier eine Langfassung. Nennen wir es mal Bonus-Material. Da sind dann auch Aspekt zum Film Noir, zu Buster Keaton und andere Abwegigkeiten drin, die keinen Platz haben können in einem Radiomagazin. Auch ein paar Anmerkungen zu einer Webserie, in der er den Shrink Dr. Hanno Verbier spielt. Ich mag diese Langfassung, mir fällt es immer schwer, mich im Schnitt von coolem Material zu trennen.  Aber hier im Netz ist ja zum Glück Platz:

Hanns Zischler lang

Illustrationen von Hanno Rink, Copyright: Arche Literatur Verlag

Illustrationen von Hanno Rink, Copyright: Arche Literatur Verlag

Welche Variante Ihr auch hört oder lest, es gibt in diesem Gespräch einen Clou, der mich komplett überrascht hat. Da zeigte sich, dass Hanns Zischler, der vergleichsweise wenig Interviews gibt und vor dem ich trotz all der Berufserfahrung – auch im Umgang mit Promis – ganz ordentlich Respekt hatte, dass der sich öffnet in einer bestimmten Gesprächsatmosphäre. Er, der so ganz bürgerlich wirkt und wohl auch wirken will („Ich habe noch nie Jeans getragen; das ist für mich Sträflingskleidung) – dieser Zischler kommt beim Themenkomplex Fleischproduktion / Achtung von Tieren / Vegetarismus zu einem Schluss, den ich so nicht erwartet hätte.

Illustrationen von Hanno Rink, Copyright: Arche Literatur Verlag

Illustrationen von Hanno Rink, Copyright: Arche Literatur Verlag

Ein paar bibliographische Angaben:

Lady Earl Grey

Erstausgabe. Mit farbigen Pinselzeichnungen von Hanno Rink. 64 Seiten. Pappband. 14,95 €. Arche Literatur Verlag

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