Wenn das MacBook zur Zen-Maschine wird – oder: Meditation über das leere Blatt.

Der Autor hat Angst vorm weißen Blatt. So hieß es früher, Ihr jungen Menschen, die Ihr Euch nicht mehr an Papier erinnern könnt! Die Angst vorm weißen Blatt Papier – so hieß es damals, als noch mit der Hand oder auf der Schreibmaschine geschrieben wurde. Diese Angst gibt es immer noch. Gemeint, Ihr jungen Menschen, ist eine Schreibhemmung.

Ich habe selten Angst vorm weißen Papier. Zwar quäle ich mich auch manchmal. Aber es ist eher der Ruck, den ich mir geben muss, endlich loszulegen. Ich glaube: Der Autor hat heute weniger Angst vorm weißen Papier. Ich habe Angst vor den vielen Tabs und Tönen, die mir sagen: Hups, neue Email. Oh, neue Mentions auf Twitter, und so weiter und so fort.

Ich habe mir eine Application gekauft. Die geht so:

Ja – wie im Rausch dahin geschrieben. Es ist möglich, mit dem iA Writer einen komplett weißen Bildschirm zu produzieren. Die Formatierungsmöglichkeiten sind reduziert. Und alles Tönende, Aufpoppende und Blinkende ist gebannt.

Ein bisschen macht das ja auch der Zen-Modus hier bei WordPress möglich. Und in Windows soll’s auch so was geben. Aber wohl kaum so gründlich wie bei diesen iA Writer-Entwicklern aus der Schweiz und Japan. Viele bezweifeln, dass das seine 15 € wert ist. Und für mich war es auch bisher Spielerei. Und auch wenn es einen Bart hat, womöglich ist ja was dran – an diesem Weniger-ist-mehr-Ding. Ich will es in den kommenden Wochen weiter testen. Vielleicht führt es ja wirklich zu mehr Konzentration, zu mehr Aufmerksamkeit. Was ich im übrigen besonders ironisch finde: Es gibt bei iAWriter sogar einen Modus, der nur den gerade aktiven Satz highlightet. Damit die übrigen Buchstaben um meinen Satz herum mich nicht ablenken können.

Und so ist das mehr als nur eine Nostalgie-Luxus-App. Denn auch wenn iA Writer alles reduziert, ein paar mir wichige Features hat es schon: dieses App, das sich ganz auf meinen Text konzentriert: Es berechnet die Reading Time, was gerade auch Hörfunkmenschen Freude machen dürfte. Mal schauen, ob das dann auch zeitlich passt, sprich: meiner Sprechgeschwindigkeit entspricht oder der des Schweizers.

Nun habe ich eine Nacht drüber geschlafen, und mir wird klar, dass ich via iA Writer nach der Leere suche. Nach einer Leere, die neu gefüllt werden kann. Andy Warhol soll gesagt haben: „Wirklich reich ist man, glaube ich, wenn man einen Raum hat. Einen großen leeren Raum.“ Der große Vereinfacher meinte damit wohl den Reichtum an Möglichkeiten, den die Leere bietet. Ich sehne mich auch nach der Leere des weißen Blattes Papier – Furcht einflößend und so verheißungsvoll.

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