Ein Monat später: Google plus ist zu schlau, um Spaß zu sein.

Ich habe nachgesehen. Es war vor genau einem Monat am 26.6.20011. Ein Sonntagabend. Ein Freund machte mich auf Google+ aufmerksam. Natürlich auf Facebook. Ich war schwer elektrisiert – beruflich wie persönlich.

Vier Wochen später, um das Ergebnis vorwegzunehmen, damit niemand bis zum Ende lesen muss:




 

Ich schreib dies nicht für jene, die sich den ganzen Tag mit diesen wunderbaren Social-Media-Fragen beschäftigen (könnendürfenmüssen), sondern für die vielen, die mich in den vergangenen Wochen gefragt haben:

  • Wozu denn auch noch Google+? Bin doch bei Facebook.
  • oder:
  • „Can someone tell me the point of Google+? It’s like a more complicated version of Facebook?“
  • oder:
  • Fareed Zakaria, der nicht ganz einflusslose US-Denker und -Medienmensch, der heute morgen sein Google+Profil an den Start brachte und ganz unverblümt fragte: „Is there anything special I can do with Google+?“ Bis jetzt hat er 50 Antworten bekommen.

 

Ich war sehr früh dabei, wenngleich mein Geduldsfaden zum Reißen gespannt war, bis es mit der google-plus-Einladung endlich klappte. Ich war in jenen Tagen Redakteur der Sendung „Corso. Kultur nach drei“ im Deutschlandfunk. Wir waren sehr schnell. Selbst die frühesten der early adopter hatten noch keine google+Einladung. Anders Konrad Lischka von SPON. Er war drin, konnte weiter helfen, erste Eindrücke schildern.

 

 

Anfangs waren da nur Männer. Die überwiegen bis heute. Laut jüngsten Statistiken sind es 63 % Männer und 37 % Frauen. Aber vor allem dreht sich alles um die eigenen Kreise. Während ich dies schreibe, rattert es auf Facebook. Die Freunde beantworten eine für mich nicht ganz unwichtige Frage: Welches Aufnahmegerät für Reportagezwecke soll ich mir kaufen? Parallel habe ich das auch auf Google+ gepostet. Großes Schweigen.

 

 

 

Mir ist Google+ zu sehr von Nerds geprägt. Was kein Vorwurf ist. Ich tippe zudem, dass das so bleiben wird. Denn von der Grundidee her ist bei Google plus das ’social‘ längst nicht so ausgeprägt wie bei Facebook. Bei Facebook beruhen Freundschaften auf Gegenseitigkeit, bei Google plus kann ich jemanden zu meinen Kreisen hinzufügen, der das seinerseits nicht tut.

Google plus ist ein Mischwesen: ein bisschen Twitter hier, ein bisschen Facebook da und ganz viel Diaspora dort. Denn, Jungs und Mädels von Google, gebt es ruhig zu: Ihr habt bei den New Yorker Diaspora-Idealisten abgeguckt. Die Circles sind angelehnt an die Aspekte.

Aber das sind die Unterschiede: „Circles“ / „Kreise“ – das klingt viel runder als das kantige „aspects“ / „Aspekte“. Doch die Grundidee ist gut. Sich überlegen zu können, wer in welchem Circle soll was erfahren? Wer sind meine Adressaten? Das auszuprobieren ist spannend. Deswegen empfehle ich allen Zögerlichen, die nicht der Socialmediaexpertenblase zugehören: Probiert es aus!

Ich kann ganz genau – je nach Bedürfnis – entscheiden, welchen Kreis ich gerade beobachte, lese, folge. Und jederzeit kann ich die Zusammensetzung der Kreise, ihre Namen ändern. Was auch immer. Das alles zu verstehen, kostet Zeit, auch wenn es schick und einfach designed ist. Aber ohne zu versuchen, google plus zu verstehen, geht es nicht. Facebook-Vorkenntnisse schaden nicht.

Bei Mashable gibt es den ultimativen Guide, um sich Google+ intensiv zu nähern. Das braucht es aber erst im zweiten Schritt. Das meiste ist selbsterklärend. Einfach loslegen.

Ich schreibe hier so subjektiv und unstrukturiert und ohne Belege vor mich hin, wenngleich ich in den vergangenen vier Wochen viel gelesen habe von den Social-Media-Leitwölfen. Oder sind es Leithammel? All dies will ich hier nicht verlinken und zitieren. Zumal ich es auch leid bin. Ich fühle mich ein wenig wie in einer Herde. Wobei ich ja selbst schuld bin. Muss das ja nicht lesen.

Denn es ist es nicht ganz so wichtig, mit welchen Shortcuts wir unsere Google+Posts fett machen können – oder durchstreichen oder was auch immer. Darum kreiste alles vor gut drei Wochen. Das hat sich gelegt. Jetzt wird mir nahe gelegt, dass ich mich dafür interessieren soll, welchen Platz ich im internationalen Google+Ranking habe.

Auch wenn Uwe Viehmann recht hatte, als er vor rund zwei Wochen schrieb: Ist doch klar, dass alles so selbstbezogen daherkommt, wenn wir uns in einer neuen Umgebung bewegen. Da konnte ich das noch nachvollziehen. Aber wie man dies und das mit google plus macht, es langweilt mich. Meine Verweildauer sinkt und sinkt. Zwischendurch war ich so übersättigt, dass ich dachte: Ich steig komplett aus.

Und doch finde ich dort immer wieder Perlen. Etwa Thomas Knüwer, den man erfinden müsste, wenn es ihn nicht schon gäbe. Dessen jüngste Google+Bilanz lohnt sich zu lesen.

Alles deutet demnach daraufhin, dass in Deutschland 700.000 Menschen bei google plus sind. Auch wenn viele von denen – so mein Eindruck -, sich mal huschhusch einladen ließen, um dann nie wieder gesehen zu werden, die Zahl ist beeindruckend. Und sie deutet darauf hin, dass Deutschland anders ist, als es Offline-Politiker und -Medienmenschen wahrhaben wollen. Dieses Land ist viel digitaler als vermutet.

Google plus hat mir im übrigen viele ausgesprochen lustige Stunden beschert: Einer meiner Threads hat es auf 47 Kommentare gebracht. Das war lustig. Und als endlich die iPhone-app kam, hatte ich großen Spaß. (Bitte jetzt auch noch für IPad.) Aber phasenweise ignoriere ich google+, was mir mit Twitter oder Facebook nie passieren würde. Google plus ist zu schlau, um Spaß zu sein.

Aber ich will dem weiter eine Chance geben. Für die Arbeit ist Google+ ein grandioses Instrument. Bei Google+ findet hier mich hier, und bei Twitter hier. Diaspora verrate ich nicht. Da will ich meine Ruhe haben.

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3 Antworten zu Ein Monat später: Google plus ist zu schlau, um Spaß zu sein.

  1. Muriel schreibt:

    Ich bin ja generell kein Kulturpessimist, und Facebookhasser gehen mir jenseits aller Worte auf den Geist, aber… Ich kann Facebook nicht ausstehen. Google Plus mag ich, aber ich glaube, dass das nur daran liegt, dass ich da kaum Freunde habe, und die zwei, die ich habe, gehen mir da auch schon auf den Geist.
    Ich bin einfach ein unsozialer Typ, fürchte ich.
    Und den nächsten, der die verf(§!“!&% Zaubernuss aufmacht, schlage ich, wenn ich ihn irgendwann mal wieder persönlich sehe.

    • andreasmain schreibt:

      Jetzt könnte ich natürlich fragen, wie Du auf Google Plus heißt, um aus zwei Freunden drei zu machen. Aber ich will nicht stressen. Es ist wohl Muriel Silberstreif.

      • Muriel schreibt:

        Ich würde das wohl zur Not irgendwie aushalten, aber ich bin da unter meinem Klarnamen, und es wäre ja irgendwie witzlos, wenn ich den jetzt hier einfach so verraten würde. Was sollten all meine treuen Leser denken, die mich seit Jahren begleiten und mich nur unter Pseudonym kennen, wenn ich hier einfach so nach fünf Minuten verraten würde, wer ich bin?
        Nein, das geht nicht.
        Aber ich weiß das Angebot zu schätzen.

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