Ein paar Sekunden ins Netz und schon seid Ihr arm und T-Mobile reich.

Erst konnte ich es nicht glauben, als ich das sah: Ich hatte während meiner siebenwöchigen US-Reise das Datenroaming immer ausgeschaltet, weil ich meinem freundlichen Mobilfunkbetreiber kein Geld schenken wollte. Im übrigen kenne ich drei großartige Manager dieses Konzerns. Die machen ganz sicher gute Arbeit. Den will ich nicht zu nahe treten. Ausserdem: Wie oft habe ich diese langweiligen Storys über Telekom-Abzocke gelesen? Das will kein Mensch wissen. Und ich war mir immer sicher: So was würde mir nicht passieren. Und dann das:

Das war irgendwann in der fünften Woche der Reise. Ich dachte, das könne nur ein Irrtum sein, weil ich zweimal ganz kurz in Netz gegangen bin mit meinem Iphone.

Denn allüberall gab es WiFi, was ich stundenlang genutzt habe. Der Prozentsatz meiner Online-Zeit via T-Mobile dürfte bei 0, 0000000134 % liegen. Später kam die offizielle Abrechnung des Bonner Konzerns. Es ist nicht so, dass ich mich wirklich drüber ärgere. Ich finde diesen Laden, der mir seit Jahren sympathisch ist, dem ich auch treu bleiben möchte und gegen alle dumpfen Anfeinder verteidige, leider nun einfach nur noch irgendwas zwischen lächerlich und lustig und eigentlich nicht mehr erwähnenswert.

Die Abrechnung sagt, dass ich am 18.4.11 um 02:08:19, also zirka 20:08 new york city zeit, mit 1250 kb im Netz war. Und am 24.4. um 03:40:43 h für 2400 kb. Das war dann wohl in Boston, als ich den Fußweg aus dem äthiopischen Restaurant in unseren Stadtteil Roxbury recherchiert habe.

Zusammen sind das 3.650 kb, was ja wohl knapp 4 MB entspricht, also der Größe eines Songs oder eines Fotos. Vorhin rief ich den Konzern an. Ich dachte immer noch, dass das ein Rechnerfehler sein könnte. Der superfreundliche Kundenberater, in dessen Haut ich nicht hätte stecken mögen, musste mir erklären, dass alles mit rechten Dingen zugegangen sei. 50 kb kosten 49 €-cents.

Diesem Konzern muss der Arsch ja dermaßen auf Grundeis gehen, dass er es sich wirklich wagt, solche Tarife den Kunden zuzumuten. Da wird ja noch der geduldigste Depp, als den ich mich beschreiben würde, in die Hände der Mitbewerber betrieben, welche vermutlich ähnlich gelagerte betrügerartige Geschäftsmodelle betreiben. Früher gab es Raubritter. Heute nennen die sich Kommunikationskonzerne.

Aber danke, liebe Telekom, Ihr habt mir wieder eine Geschichte geliefert, die keiner lesen wird und will, weil Ihr es geschafft habt, dass sich jeder dran gewöhnt hat und Euch eh jeder für eine verbrecherische Organisation hält, wogegen ich selbstverständlich auch künftig Einspruch erheben werde.

Gut, dass es Blogs gibt. So kann ich die 36,26 € als gut investiert betrachten. Ihr habt mir die Story frei Haus in den Postkasten organisiert.

Wer aber in die USA oder wohin auch immer reist und die Telekom-Karte nicht sofort aus seinem Smartphone nimmt, ist selbst schuld. So wie ich.

Der Dank gilt auch den Verbraucherschutz-Politikern, die nach langjährigem Ringen die Datenroaming-Gebühren gedeckelt haben – allerdings nur für SMS und Telefonie . Das jetzt auch noch für Smartphones umzusetzen, dafür brauchen die Künast-Aigners-oder-wie-auch-immer-sie-heißen wohl noch ein paar Jahre. So gegen 2022, mein Tipp. Vorher pöbeln sie lieber gegen Google oder Facebook. Ist einfacher.

Und weil ich angesichts all dessen keinesfalls gallig werden möchte, höre ich das neue Lied von Bon Iver wieder und wieder.

Darüber sollte ich sprechen und schreiben – nicht über T-Mobile. Aber ich möchte Euch warnen mit Blick auf künftige Reisen.

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4 Antworten zu Ein paar Sekunden ins Netz und schon seid Ihr arm und T-Mobile reich.

  1. Christof schreibt:

    Naja, die Vertragsbedingungen sind mit dem Abschluss des Vertrages akzeptiert und wenn man eben diese Serviceleistung in Anspruch nimmt dann eben auch mit dem Preis den man eben mit der Unterschrift unter den Vertrag akzeptiert hat.
    Du schreibst, Du warst 2 mal kurz online. Also wird das auch in Rechnung gestellt. Was überrascht Dich jetzt genau? Dass das sauteuer ist? Das ist doch nicht wirklich neu, oder?

    • andreasmain schreibt:

      Nichts ist neu. Leider. Nur, dass es immer noch Deppen wie mich gibt, die neu auf so was reinfallen. Und die Vertragsbedingungen nicht gründlich lesen.

      • Christof schreibt:

        Naja, aber der Fehler dürfte Dir nicht nochmal passieren 🙂
        Ich war beim Skifahren auch mal online, allerdings mit einer SIMYO Karte, die automatisch aufgeladen wird, wenn der Kontostand unter 5EUR fällt. Dann gibts ne SMS und es werden wieder 15EUR draufgeladen. Damit hat man dann relativ gut nen Überblick, wieviel man gerade losgeworden ist. Bei mir waren 15EUR aufgeladen, als dann die SMS kam, dass nur noch 5EUR drauf sind hab ich die Kiste ausgemacht, da waren dann 10EUR verbraten (Frag mich nicht, wie viel ich da gesurft habe…)

  2. Oliver Jorzik schreibt:

    Jetzt hat die Telekom T-Mobile USA an AT&T verkauft und sofort wirds wieder teuer. Ne, ich glaube vorher war es auch nicht billiger. Aber es wäre ein schöner Traum. Man fährt in die USA, das Telefon schaltet dort auf den günstigen Ortstarif eines Vertragspartners, man surft zum Lokal-Tarif bis Reise-Ende und dann wieder entspannt zurück. Stattdessen: Pre-Paid Karten kaufen, wechseln, sich über Roaming-Gebühren ärgern … Netze sind im wahrsten Sinne Gold wert und die Daten werden gehandelt wie Erdöl

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