Reflexionen, wie sich meine Profession verändert

Future Now – dieses riesige Wissenschaftsprojekt von dw-world ist seit wenigen Tagen am Start. Jeder kann gucken.

Ich habe vor allem hier zugeliefert – bei der Datenübertragung via LED. Klickt hier und Ihr findet zum sprechenden Licht.

Ich möchte hier nicht nur Eigen-PR machen, sondern vor allem für mich ein wenig reflektieren, was bei diesem mulitmedialen Riesending eigentlich passiert ist.

Mir scheint, dass es im deutschen Markt ein so komplexes journalistisches Angebot in derart vielfältiger multimedialer Form noch nicht gegeben hat. Kann sich womöglich messen lassen, was ich auf großen US-Portalen zu sehen bekomme.

Es ist massiv mit neuen Formen experimentiert worden: hier etwa mit einer sogenannten Webdoc, in der der Nutzer interaktiv werden kann. Es geht um Arsen im Trinkwasser in Bangladesh.

Ich als Freelancer habe von der Reise zu ‚meinem‘ Forscher bis zum Launch vier Monate dran gearbeitet – natürlich nicht nonstop, aber immer wieder. Ich bin noch nie mit so vielen ‚Gewerken‘ zusammen gekommen.

Das begann schon bei der Recherchereise. Für mich altgedienten Radiomann (und früher Nachrichten-Agentur-Mensch) war es eine Premiere, mit einem TV-Mann zusammenzuarbeiten. Wir hatten jeweils lokale Kameramänner und Tonmenschen dabei. Also das komplette Besteck. Das verändert die Interviewsituation massiv. Die Intimität des Hörfunkinterviews, die sich manchmal herstellen lässt, ist nicht möglich, wenn diese Riesenkamera alles aufsaugt. Und es dauert alles sooo lang… Für mich sehr lehrreich: Geduld üben. So sieht das Ergebnis aus:

Ich habe in den ‚Drehpausen‘ meine Radiointerviews geführt und fotografiert. Diese Erfahrung des bimedial Arbeitens machen junge Kollegen in angloamerikanischen Medien und auch hierzulande wohl immer öfter. Für mich, der ich vor allem für den guten alten Deutschlandfunk arbeite, war das neu.

Es sind schon sehr verschiedene Aufgaben:

  • über einen guten Text nachdenken,
  • eine Situation herstellen, in der Porträtfotos möglich sind
  • und gleichzeitig Professor Harald Haas dazu zu bewegen, dass er nicht nur als Fachwissenschaftler rüberkommt, sondern auch etwas erzählt, das menschelt. Ihn also zum Sprechen zu bringen – und zwar so wie Du und ich.

Das Ergebnis ist unter anderem eine Audio-Slideshow: Bild und Audio sollen ineinander fließen.

Was ich darüber hinaus liefern sollte: eine Bildergalerie, eine Zeitungsreportage, usw. – ich, der ich seit 15 Jahren für die Deutsche Welle arbeite, wusste überhaupt nicht, dass so viele Gewerke in diesem Haus vertreten sind. Wer nicht regelmäßig mit Grafikern oder Multimedia-Bastlern zu tun hat, versteht manchmal nicht, wovon die reden. Denen ging es sicherlich mit mir ähnlich.

Ich weiß nicht, wie viele Emails es brauchte, bis ein solches komplexes Gebilde wie Future Now steht. Nicht zu vergessen: die Fremdsprachen. Denn wenn dw-world etwas besser kann als die meisten deutschen Medienhäuser, dann ist es das Denken in globalen Kategorien. Future Now gibt es in sechs Fremdsprachen – und ich kann nur erahnen, was es bedeutet, ein Multimedia-Projekt ins Indonesische und Spanische zu adaptieren. Das ist mehr als reine Übersetzungsarbeit.

Es hat natürlich auch Reibungsverluste gegeben. Es ist zu Pannen gekommen, weil extrem viel Kommunikation nötig war. Aber es hat funktioniert. Für mich wichtig: Ich hatte und habe die ganze Zeit den Eindruck, ein klein wenig Pionierarbeit geleistet zu haben, Teil zu sein von einem Aufbruch zu neuen publizistischen Ufern. Ob Future Now beim Publikum funktioniert, wird sich erweisen. Ich jedenfalls hatte immer wieder einen Hauch von Ahnung, dass ich einen Zipfel Zukunft in der Hand hatte.

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