Grüne, blaue, orange Linien oder: Warum in Israel auch Friedensaktivistinnen manchmal verzweifeln könnten.

Von Tel Aviv gen Norden: Die Journalistin Lydia Aisenberg kämpft seit Jahren für eine Verständigung von Palästinensern und Israelis. Sie lebt dort, wo es am engsten ist – dort, wo palästinensische Dörfer den israelischen Dörfern besonders nah kommen – und vor allem auch den Städten. Von der Grünen Linie aus, also eigentlich Westjordanland, kann man die israelischen Kraftwerke am Mittelmeer sehen.

Dies ist, zugegeben, kein schönes Foto, aber wenn man dort steht, so wie ich heute vor einem Jahr, dann wird spürbar, warum selbst israelische Friedensaktivisten nervös werden. Es braucht keine High-Tech-Waffen, um die israelische Energieversorgung lahm zu legen. Und vor dem Hintergrund, dass täglich Raketen auf Israel abgeschossen werden, erklärt sich, dass Israel den Sicherheitszaun einige hundert Meter ins palästinensische Gebiet verschoben hat. Somit sind die Kraftwerke nicht mehr in Sicht und Schussweite, weil ein Hügel dazwischen liegt. Das wiederum führt zur humanitär mehr als unschönen Situation, dass die Palästinenser zwischen Grüner Linie und Sicherheitszaun im Niemandsland leben. Das Ganze ist komplex – auf jeden Fall wesentlich komplexer als uns der gemeine Nahostkorrespondent täglich weismachen will, weil er meint, sogenannte israelkritische Positionen bedienen zu müssen. Die Realität ist verwirrend und sieht so aus:

Danke an die Bundeszentrale für politische Bildung, dass sie differenzierte Sichtweisen ermöglicht. Wer mit solch einer Studienreise unterwegs war, wird jedenfalls nicht mehr von der ‚Mauer‘ sprechen. Es gibt eine Mauer nur an einigen Grenzbereichen rund um Jerusalem, die gerne immer wieder fotografiert werden. Der größte Teil, liebe Israelkritiker, ist aber ein Sicherheitszaun, der ursprünglich von ‚Linken‘ gefordert wurde, um mal wechselseitig Ruhe voreinander zu haben und dann in einer besseren Zukunft sich verständigen zu können. Dass ein Sicherheitszaun alles andere als schön ist, wird nur ein Tropf bezweifeln. Aber: Die angebliche Mauer sieht so aus:

Im Ergebnis laufen in dieser irren Region Grenzen mitten durch Dörfer. Im Vordergrund dieses palästinensischen Dorfes stehen wir in Israel, im Hintergrund in ‚Palästina‘ – also hinter der Grünen Linie, aber vor dem Sicherheitszaun.

Da werden die Grünen Linien im Kopf blau und orange. Schwarz – weiß jedenfalls geht gar nicht.

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