Trialog ist Bullshit…

… so drastisch würde es Edna Brocke niemals sagen. Ganz im Gegenteil. Völlig entspannt erklärt sie aus jüdischer Perspektive, was die sogenannten abrahamitischen Religionen (Judentum, Christentum, Islam) verbindet und was sie trennt. Edna Brocke ist Leiterin des Hauses Jüdischer Kultur in Essen und Dozentin für Jüdische Religionsgeschichte an der Universität Bochum. Sie kommt zu dem Ergebnis, dass der so oft beschworene Trialog eine Luftblase ist, da es genug bilateral zu besprechen gebe: zwischen Christen und Juden, zwischen Juden und Muslimen sowie zwischen Muslimen und Christen.

Der Kollege Rüdiger Achenbach hat ein langes Gespräch mit Edna Brocke geführt. Das wurde in fünf Teilen im Deutschlandfunk ausgestrahlt. Man braucht Zeit, um all das zu hören. Ich habe mir die Podcasts auf einer langen Autofahrt angehört. Und bin immer noch beeindruckt. Das ist Deutschlandfunk, wie ich ihn mir besser nicht vorstellen kann. Hintergründig, ein wenig für die Ewigkeit, gebildet, unhysterisch, akademisch. Mir geht das Gespräch nicht aus dem Kopf, und ich muss es mit dem oder der einen oder anderen teilen.

So steht es auf der Homepage:

„Neben dem Islam und dem Christentum gehört das Judentum zu den sogenannten abrahamitischen Religionen, die in Abraham ihren Stammvater sehen. Inwiefern sich das Christentum dabei unterscheidet, darüber sprach Rüdiger Achenbach mit Edna Brocke, Leiterin des Hauses Jüdischer Kultur in Essen und Dozentin für Jüdische Religionsgeschichte an der Universität Bochum.“

Dies sei allen empfohlen, die sich in jüngster Zeit mit Schaum vor dem Mund als Religionsexperten gerieren und eine Unfehlbarkeits-Attitüde an den Tag legen, de facto aber von all dem sprechen wie die Kuh vom Sonntag.

Würde auf dem Niveau, wie es hier bei „Tag für Tag. Aus Religion und Gesellschaft“ mal wieder gelungen ist, über Religionen geredet, dann stünden wir nicht da, wo wir stehen. Vielleicht sollten sich mal einige aus dem christlichen und dem islamischen Verbands- und Kirchen-Milieu ein Vorbild an dieser jüdischen Stimme nehmen. Schlichte, selbst ernannte Religionsversteher in den Medien könnten sich darüber hinaus an solcherlei aufklärerischer Gesprächsführung orientieren.

Teil 1

Teil 2

Teil 3

Teil 4

Teil 5

Nun weiß ich nicht exakt, wie lange das Deutschlandradio dies als audio on demand anbieten darf und wird. Wenn die Hyperlinks irgendwann nicht mehr funktionieren sollte, dann sage ich schon mal sorry. Auch wenn ich mit beim Hyperlinken verklickt haben sollte.

Das ganze ist auch auf der Dradio-Seite zu finden – dort suchen unter „Jüdische Identität und die abrahamitischen Religionen“!

Wo und wie auch immer: Das Hören lohnt sich. Ich bin nicht der einzige, der diesen Eindruck hatte oder hat.

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Eine Antwort zu Trialog ist Bullshit…

  1. Franz Walter schreibt:

    Beiträge wie dieser von Frau Brocke sind überaus wertvoll, da sie – auch aufgrund der angesprochenen Missionsabstinenz des Judentums – auf anderem Weg kaum vermitteltes Wissen ergänzen. Insofern wäre es wünschenswert, dass mehr und des öfteren Beiträge dieser Art gesendet würden.

    Auf der anderen Seite verwundert bei einer so sachkundigen Autorin eine gewisse Unkenntnis christlicher Positionen. Es würde zu weit führen, alles anzusprechen, was mir in diesem Zusammenhang aufgefallen ist. [Grundsätzlich wäre es zu begrüßen – und fair! -, bei solchen, zugleich andere Religionen ansprechenden Beiträgen immer auch einen qualifizierten Vertreter der anderen Seite zu Wort kommen zu lassen…].

    Unter den Punkten, denen ich als katholischer Christ nicht beipflichten kann, möchte ich hier nur einen herausgreifen: das angeblich »christliche Verständnis« des Alten Testaments als »Glaubensbuch«. Dem widersprechend, muß ich feststellen, dass mir das Alte Testament – seit meinem frühesten Religionsunterricht – nie anders, denn als Zeugnis der geschichtlichen Erfahrung des Volkes Israel mit seinem Gott [dem »Gott Israels«] vermittelt wurde. Der christliche Gott ist ein »Gott der Geschichte« – der sich nach unserem Verständnis in der Geschichte des Volkes Israel zuerst manifestiert bzw. geoffenbart hat. Vom Alten Testament als einem »Glaubensbuch« war in meinem Unterricht nie die Rede. [Vielmehr war der »Glaube« Gegenstand des Katechismus, bzw. (auf der akademisch-theologischen Ebene) der Dogmatik.]

    Allerdings ist das Verständnis als reines »Geschichtsbuch« zweifellos gleichfalls zu eng. Die von Frau Brocke viel zu undifferenziert wiedergegebene [unverstandene?] christliche Exegese unterscheidet im Alten Testament eine grosse Vielfalt literarischer Gattungen, die von [alegorischen, mystischen, hymischen… ] Texten [wie Hoheslied, Psalmen,…] über Gesetzesbücher, Legenden,… bis hin zu [mehr oder weniger] ‚historischen‘ Erzählungen reichen.

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